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Taiwan 2017/2018 - Tag 12

Reisetag Alishan - Yushan-Nationalpark, Wanderung zur Paiyun-Hütte

Wirklich früh geht es los, nämlich 4:30 Uhr und ohne Frühstück laufen wir 5:20 Uhr los zu einem kleinen Bahnhof der Alishan Forrest Railway. Dort warten schon sehr viele Leute auf den Zug. Wir lassen unsere Tickets entwerten und steigen dann in die bald eintreffende kleine Eisenbahn ein. Es ist sehr eng, aber wie üblich in Taiwan geht alles sehr gesittet zu. Wir fahren etwa 30 Minuten bis zu einem Aussichtspunkt, Station Chushan, wo wir den Sonnenaufgang beobachten können. Das Besondere daran ist, dass die Sonne genau hinter dem Bergmassiv erscheint, welches wir heute besteigen werden.

Neben uns steht unglücklicherweise ein Verkäufer auf einem Stuhl mit einem kleinen Megafon und preist unablässig und in enormer Lautstärke irgendein Zedernöl an. Nur kurz macht er ab und an Pause. Unseren Sonnenaufgangsgenuss schmälert das ganz enorm…

Wir haben trotzdem einen sehr schönen Ausblick auf den Jadeberg genau vor uns und auch das Wetter ist perfekt. Wolkenloser, strahlendblauer Himmel, auch wenn es aktuell noch ziemlich kalt ist.

Kurz vor Sonnenaufgang über dem Yushan-Bergmassiv
Kurz vor Sonnenaufgang über dem Yushan-Bergmassiv
Die Sonne ist da!
Die Sonne ist da!

Gegen 7:30 Uhr fahren wir mit dem Zug zurück und gehen zurück zum Hotel. Dort erwartet uns in einem eiskalten, kleinen und zugigen Kellerraum ein Frühstück. Es ist mit Abstand das schlechteste Essen auf der Reise. Vor allem die Umgebung und die Temperatur geben uns den Rest. Ich esse so schnell wie möglich und gehe ins Zimmer den Koffer packen.

9:30 Uhr fahren wir mit unserem Bus los, halten noch an einem Supermarkt und kaufen letzte Picknick-Kleinigkeiten. Dann geht es weiter zum Start unserer Wanderung auf den Jadeberg. Unser Bus kann nur einen Teil des Weges fahren und wir steigen später um in zwei kleinere Busse des Nationalparks, die die letzten 3 km fahren. Wir halten auf einem Wendeplatz auf ca. 2600 m Höhe, dem sogenannten Tataka-Sattel (Tataka Saddle), wo der Wanderweg beginnt.

Bei bestem Wetter und lauen Vormittagstemperaturen steigen wir langsam auf und freuen uns über einen wunderschönen, gepflegten Weg und um uns herum eine tolle Landschaft. Der Weg hat zahlreiche Treppen, Holzübergänge und Brücken. Letztere sind durchnummeriert und für bestimmte Nummern sind bestimmte Verantwortliche des Yushan-Nationalparks zugeteilt. Es gibt auch immer wieder kurze Zwischenabstiege.

Die Übersichtskarte für die nächsten zwei Tage.
Die Übersichtskarte für die nächsten zwei Tage.
Der Einstieg zum Aufstieg am Tataka-Sattel
Der Einstieg zum Aufstieg am Tataka-Sattel
Der Weg nach oben bei herrlichem Wetter
Der Weg nach oben bei herrlichem Wetter
Teilweise Holzstege als Weg
Teilweise Holzstege als Weg
Immer wieder schöne Ausblicke!
Immer wieder schöne Ausblicke!
Immer wieder schöne Ausblicke in der Wildnis
Immer wieder schöne Ausblicke in der Wildnis

Nach ca. 3 Stunden kommen wir an der Paiyun-Hütte auf ca. 3.400 m Höhe an und sind doch ganz schön geschafft. Vor allem die letzten 200 Höhenmeter machten mir etwas zu schaffen in der doch immer noch ungewohnten großen Höhe. Auf dem Aufstieg haben wir ca. 8,5 km zurückgelegt und sind mit den ganzen Zwischenabstiegen ca. 1300 Höhenmeter nach oben und ca. 500 Höhenmeter nach unten gestiegen. Wir ruhen uns aus und trinken etwas. Auf der Terrasse vor der Hütte hat man einen tollen Ausblick und man kann schön in der Sonne sitzen. Es ist aufgrund der Höhe auch nicht zu warm. Es gibt keinen Tee, nur heißes Wasser. Die Hütte ist Baujahr 2013, dafür aber schon in einem recht heruntergewohnten Zustand. Man sieht, dass hier nichts gepflegt oder instandgehalten wird.

Die Paiyun-Hütte mit Nebengebäude
Die Paiyun-Hütte mit Nebengebäude

Wir beziehen unsere Zimmer mit Lagerbetten. Die Betten haben keine Matratzen, nur eine recht harte, aber saubere Kunststoffauflage. Die Hütte hat jede Menge saubere Schlafsäcke, aber ich habe meinen eigenen dicken Schlafsack mitgeschleppt und bin gar nicht böse, dass ich diese Mühe auf mich nahm. Es gibt kaltes Wasser aus einigen Wasserhähnen. Wenn die Hütte voll besetzt ist, möchte ich hier lieber nicht sein...

Um nicht auf dem höchsten Punkt der Wanderung zu übernachten, machen wir noch einen Abstecher zum Westgipfel (Mt. Jade West Peak), 3500 m hoch. Der Weg startet direkt an der Hütte. Nur mit Kamera mache ich diesen Spaziergang, der aber dann doch anstrengender wird als gedacht. Denn bis zum Gipfel geht es mehrfach auf und ab, sodass einige Hundert Höhenmeter neben einigen kleinen Kletterpassagen auf dem ansonsten wunderschönen Hin- und Rückweg zu bewältigen sind! Wir schauen von oben auf eine fast geschlossene Wolkendecke im Tal und die tiefstehende Sonne scheint in einem sehr schönen Licht. Nach 2,5 Stunden sind wir wieder an der Hütte. Auf dieser Wanderung sind wir noch einmal ca. 4,5 km gelaufen und haben dabei ca. 330 Höhenmeter im Aufstieg und ca. 330 Höhenmeter im Abstieg bewältigt. Das war heute insgesamt wirklich ein mächtiges Pensum.

Auf dem Weg zum Westgipfel
Auf dem Weg zum Westgipfel
Auf dem Weg zum Westgipfel
Auf dem Weg zum Westgipfel
Auf dem Weg zum Westgipfel
Auf dem Weg zum Westgipfel

Das Abendessen in der Hütte ist sehr gut und fast schon zu reichlich für Hüttenverhältnisse. Es gibt tolle Schweineschnitzel, dazu grüne Bohnen und Reis. Der Ingwertee (oder Ingwersuppe?) ist auch sehr gut. Leider ist die Hütte innen extrem ungemütlich. Dafür hat man hier gar keinen Sinn, schade. Tagsüber bleiben die Fensterläden trotz Sonne draußen geschlossen und so bleibt es drinnen eisig, denn eine Heizung gibt es nicht.

Wir erleben dann auf der Terrasse einen schönen Sonnenuntergang, der zu dem Sonnenaufgang heute Morgen einen schönen Schlusspunkt des Tages setzt. Aufgrund des fehlenden Hüttenambientes und unserer Erschöpfung sind wir 19:00 Uhr schon in unseren Schlafsäcken.

Ein perfekter Sonnenuntergang direkt vor der Hütte!
Ein perfekter Sonnenuntergang direkt vor der Hütte!

Insgesamt sind wir auf der Hütte heute nur 20 bis 30 Leute aus Deutschland, den Philippinen und Japan. Ansonsten ist hier erheblich mehr los und die Hütte mit ca. 100 Leuten oft voll besetzt. Leider sind mehrere Toiletten nicht benutzbar, angeblich eingefroren. Aufgrund der herrschenden Temperaturen ist das Quatsch. Man will wohl nur nicht zu viel Putzaufwand haben, was aber auch OK ist. Die Toiletten sind außen, ohne Spülung. Es gibt ein großes Fass mit Schöpfeimern. Alles in allem ist das OK.