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Sri Lanka 2011/2012 - Tag 9

Adam's Peak

Wir stehen sehr früh auf: 0:30 Uhr. Ca. 1:00 Uhr fahren wir nach einer Tasse Tee Richtung Adam's Peak los und treffen dort gegen 2:15 Uhr ein. Es stehen schon einige Busse dort, wir sind also nicht die ersten. Unser Ziel ist es, zum Sonnenaufgang gegen 6:00 Uhr oben zu sein. Der Weg besteht zu 95% aus Stufen und wird fahl durch Neonleuchten erhellt. Wir sind bestens ausgerüstet mit warmen Klamotten, aber auch T-Shirt und Sachen zum Wechseln. Genug Wasser ist auch dabei. Viele Verkaufsstände haben offen, wir sehen übernächtigte Verkäufer. Es werden vor allem warme Sachen, aber auch Opfergaben verkauft.

Wir wandern los, erst geht es flach aufwärts über langgezogene Stufen oder einfache Wege. Über uns sehen wir ein Lichterband, welches steil nach oben führt und uns zeigt, wo wir noch hin müssen. Dann wird es schnell steiler. Jeder geht für sich sein Tempo. Auf dem Weg gibt es jede Menge Teestuben zum Rasten, aber auch kleinere Schreine mit Buddha-Figuren darin. Wir kommen gut voran, die Temperatur ist sehr erträglich, trotzdem schwitzen wir ausreichend. Teilweise sind die Stufen extrem steil. Wie steil wirklich, werden wir erst beim Abstieg bei Tageslicht sehen. Oft überholen wir sehr alte oder auch kranke Menschen, die mit letzter Kraft den Berg erklimmen. Ebensolche Leute kommen uns absteigend entgegen und wir bewundern sie, wie sie doch den Aufstieg bewältigt haben. Praktisch alle Einheimischen tragen dazu, wie immer, ausschließlich Flip-Flops.

Für fast alle Religionen ist Adam's Peak ein wichtiger Pilgerort. Auf dem Gipfel befindet sich eine Felsvertiefung, Sri Pada genannt, in dem die Buddhisten einen Fußabdruck Buddhas, die Hindus einen Fußabdruck Shivas, die Muslime einen Fußabdruck Adams und die Christen einen Fußabdruck des Heiligen Thomas sehen. Objektiv ist der Fußabdruck leider gar nicht als solcher erkennbar. Dennoch ist das Pilgern zum Adam's Peak ein sehr wichtiges Ereignis für viele Gläubige. Sie wollen ihr Karma verbessern, Kranken Heilung bringen oder Kindern eine glückliche Zukunft. Deshalb sehen wir auch viele Kranke, Alte und Kinder. Und praktisch allen ist es ein Bedürfnis, diesen Berg zu besteigen. Nie haben wir den Eindruck, es sei nur eine lästige Pflicht, die man erfüllen müsse.

Nach ca. 3 Stunden habe ich den Aufstieg geschafft, die Schnellsten sind schon seit 30 min. eher oben. Aber es ist immer noch ausreichend Zeit. Am Horizont kündigt sich die Sonne schon an, aber es ist noch dunkel. Die Sterne leuchten, es ist klarer Himmel. Es wird ein toller Sonnenaufgang, da sind wir uns sicher. Nalaka sagte uns vorher, dass er bei seinen bisherigen ca. 57 Aufstiegen nur bei etwa einem Fünftel einen guten Sonnenaufgang sah. Wir haben auch einen zusätzlichen lokalen Guide dabei, wobei uns aber bis zur Abfahrt am Vormittag nicht klar werden wird, wofür der da ist. Denn der Weg ist nicht zu verfehlen und er kam als Letztes von uns allen an.

Wir positionieren uns vorteilhaft auf Treppen oder nebengelagerten Aussichtspunkten. Um uns herum sehr viele Leute, mehr als 90% Einheimische. Viele sind dick vermummt, wobei Farbe oder Zusammenstellung keine Rolle spielen. Beliebt ist Plüsch, gern auch als lange Jacke oder Mantel oder als Weihnachtsmannmütze in rot/weiß. Es ist alles sehr ruhig und ausgeglichen, gemessen an der großen Menschenmenge. In Europa wäre bei solchen Menschenmassen die Hölle los mit viel Geschrei. Hier wollen alle nur pilgern und nebenbei den Sonnenaufgang sehen. Wie vermutet wird es ein grandioses Ereignis. Unter uns eine dicke Wolkendecke oder Nebelbank in den Tälern, darüber klarer Himmel und die Sonne. Nach dem Sonnenaufgang schnell auf die Rückseite des Berges. Denn dort wirft der Berg einen phänomenalen Schatten auf die untenliegende Landschaft und den Nebel, in Form einer perfekten Pyramide. Nur der Schatten ist pyramidenförmig, nicht der Berg. Die Perspektive macht's. Wir schießen sehr schöne Fotos und genießen die Stimmung hier oben noch eine Weile.

Es gibt im Innern des Gebäudes auf dem Gipfel offene Ruheräume für Pilger, die hier auch übernachten können. Das wird auch gern wahrgenommen. Im Innern ist warm und vor allem relativ sauber.

Gegen 7:00 Uhr beginnen wir unseren Abstieg, die Sonne scheint schon recht kräftig. Der Aufstieg in der Nacht ist hinsichtlich der Temperaturen definitiv eine gute Idee! Während des Abstiegs tolle Ausblicke auf die unter uns liegende Landschaft und wir bewundern uns, wie wir diese steilen Treppen hochgestiegen sind. Es sind noch immer sehr viele Leute unterwegs, hoch- und abwärts. Touristen sind die absolute Minderheit, wir die größte Gruppe. Wir sehen oft Familien mit Kindern, die Kinder werden oft getragen. Das ist sicherlich sehr anstrengend. Wir machen noch einen Teestopp und sehen zu, wie der Verkäufer den Tee aufbrüht und mischt, aus einer unüberschaubaren Schüssellandschaft wird mal Wasser über Tee gegossen, dann klares Wasser dazugegeben, dann wieder Tee. Schlussendlich bekommen wir ein Glas voll, und es schmeckt!

Wir sind gegen 10:30 Uhr zurück am Gästehaus, vor Fahrtantritt verabschieden wir den nutzlosen Guide mit wenig Trinkgeld und trinken dafür noch eine Kokosnuss (Königs-Kokosnuss oder auch Thambili, außen goldgelb, mit viel Saft, aber praktisch keinem Fruchtfleisch) leer. Ein Genuss! Wir frühstücken ausgiebig, alle sind hungrig und erschöpft. Das Essen ist köstlich. Dann duschen und schlafen bis ca. 15:00 Uhr, wieder essen. In dem Rhythmus kann es weitergehen. Es gibt Reis, die geliebten gebratenen Auberginen, dazu Dhal (Linsen) und ein Ei, das Ganze in einem gefalteten Bananenblatt serviert. Wir sind schwer begeistert.

Danach haben wir Freizeit, ich schlafe noch ein bisschen und fühle mich wie in einem Sanatorium. Heute ist ja Silvester und wohl der längste Silvestertag meines Lebens, in Anbetracht des Zeitpunkts des Aufstehens.

Bevor wir 20:00 Uhr zum nächsten Essen schreiten, erzählt uns Nalaka die Planung für morgen. Dazu gibt er uns eine Flasche Arrak aus, das hiesige Nationalgetränk, was unter anderem für das große Alkoholproblem in Sri Lanka verantwortlich ist. Dessen ungeachtet probieren wir gern. Es schmeckt, riecht und sieht aus wie eine Mischung aus Whisky, Weinbrand und Rum, also nicht schlecht. Zum Abendessen gibt es: Suppe, eine große gegrillte Schweinekeule (so etwas gibt es vermutlich in Sri Lanka extrem selten!), Hähnchen, Fisch und vieles mehr. Für jeden etwas und alles sehr gut. Als Nachtisch eine Art Crème brûlée. Während wir noch sitzen, werden aus anderen Räumen eifrig Stühle beiseite geschafft und draußen am Fenster vorbeigetragen. Die Angestellten bereiten ihre eigene Party am Pool vor. Neben Stühlen werden zig andere Sachen nach unten getragen, das Ganze erinnert an eine Ameisenstraße.

Nach dem Essen sitzen wir auf den noch übrigen Stühlen und schwatzen. Ich teile meinen mitgebrachten Nürnberger Lebkuchen aus, die nicht so ganz zum Bier passen. Kurz vor Mitternacht schießen die Angestellten jede Menge Raketen in den Himmel (senkrecht) und den Garten (waagerecht). Der Start erfolgt traditionell aus der Hand! Flaschen verwenden nur die Weicheier! Nach der Raketenorgie ist erstmal Ruhe im Wald. Das vorherige Konzert aus Fröschen und Zikaden geht wohl erst in der Nacht weiter…

Ein Mitreisender hat am 1.1. Geburtstag und so feiern wir auch noch nach Mitternacht eine kleine Weile weiter. Vom Gästehaus gibt es Kuchen mit Beschriftung und zwei Flaschen Cognac, von dem wir aber nur eine Flasche schaffen. Gegen 1:00 Uhr gehe ich ins Bett nach einem 24,5 Stunden-Tag.

Insgesamt waren wir heute wandernd etwa 5,5 h inkl. Pausen unterwegs, haben dabei ca. 12 km Strecke zurückgelegt und ca. 1.000 Höhenmeter aufwärts und ca. 1.000 Höhenmeter abwärts bewältigt.

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Ein Kunstblumenstand in der Nacht
Buddha grüßt uns freundlich
Im fahlen Licht bergauf
Erste Zeichen der Sonne
Es wird heller
Gleich ist es so weit!
Sie ist da!
Die Freude ist groß!
Wolken und Nebel unter uns
Und schon wärmt die Sonne uns!
Der Schatten des Adam's Peak
Panorama auf der Bergrückseite
Sonne, Berge und der Schatten
Steil abwärts im Morgenlicht