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Nepal 2006 - Tag 4

Stupa Boudhanath

Wieder ein tolles Frühstück, am besten finde ich den Karottenkuchen und das vielfältige Müsli, dazu hausgemachten Naturjoghurt mit viel Zimt. Aber es gibt auch deftige Sachen, frisch gemacht von einem Buffetkoch oder eben aus der Warmhaltepfanne. Wir trinken täglich Gewürztee, weil der uns servierte Kaffee nicht so gut schmeckte.

Gegen 11:00 Uhr geht es los, diesmal kein Taxi. Wir wandern heute zur größten Stupa der Welt am Stadtrand von Kathmandu, Boudhanath. Diese Stupa ist übrigens Teil des Weltkulturerbe der UNESCO. Nach kurzem Kartenstudium sind wir sicher, dass wir den Weg finden werden. Auf dem Weg sehen wir das Stadtleben hautnah, wieder viele Händler, frei laufende Kühe (die hier ja heilig sind und praktisch Narrenfreiheit genießen) und viele Tempel, in die teilweise nur Hindus hinein dürfen. Teilweise bilden diese Tempel dann riesige Komplexe, quasi eine Stadt in sich.

Wir wandern teilweise durch ärmliche Gegenden, wobei immer wieder auffällt, dass zwischen den heruntergekommenen Häusern immer wieder wahre Prachtbauten auftauchen, ganz neu und sehr modern wirkend. Direkt daneben wieder verfallene Häuser, an denen nicht mehr viel ganz ist.

Unser Weg führt uns streckenweise an einem Fluss mit sehr dreckigem Wasser vorbei, der heute noch eine wichtige Rolle spielen soll.

Nach ca. 45 Minuten erreichen wir die Stupa in Boudhanath, ganz oben sieht man die „all seeing eyes“ von Bhudda. Das gewölbte Dach ist in großen Teilen begehbar, rundum an den Außenwänden sind Hunderte Gebetsmühlen in allen Größen. Die Stupa kann man nicht von innen betrachten, wobei ich bis heute nicht weiß, was im Innern des doch recht großen Baues ist. Rund um die zentral angeordnete Stupa sind viele Läden und kleinere Tempel. Auf einer Dachterrasse essen wir etwas und genießen die Aussicht. Ich kaufe Ansichtskarten. Außerdem staunen wir über die Händler die Outdoor-Equipment verkaufen, wobei peinlich darauf geachtet wird, dass die Plagiat-Quote nie unter 100% sinkt. Wir sehen z.B. Hunderte Daunenjacken von THE NORTH FACE®, natürlich mit 100% Polyesterfüllung für sagenhafte 1.250 Rupien (kleine Größen 750 Rupien). Das sind umgerechnet etwa 14 bzw. 8 Euro! Gleichzeitig schimpfen diese Händler auf die ihrer Meinung nach unverschämt teuren Originalprodukte. Witzig dabei ist, dass bei der Marke THE NORTH FACE® das Logo (beim Original als auch beim Plagiat) meist aufgestickt ist. Die Stickereien werden in China angefertigt, wobei dies oft in Spiegelschrift erfolgt. Und da ja der gemeine Chinese selten lateinische Buchstaben kennt, sehen wir desöfteren Stickereien, die eben stattdessen "THE HORTN FACE" (von uns scherzhaft als "The Horse Face" verballhornt). Die oft präsente Polizei stört sich an diesen Händlern nicht, zu normal ist dies hier in Nepal.

Auf unserem Rückweg wählen wir eine andere Strecke und laufen auf der Rückseite eines großen Tempelkomplexes namens "Pashupati Nath" entlang, den wir auf dem Hinweg von vorn sahen. Auf dieser Rückseite fließt wieder der Fluss entlang und an dessen Ufer sind sehr viele große Steinpodeste angeordnet, an denen die Toten öffentlich verbrannt werden. Auf dieser Seite des Tempels sind wir die einzigen Touristen. Außer uns nur sehr viele Affen und viele Nepali. Wir schauen mit ihnen den Verbrennungen zu, die auf verschiedenen Podesten verschiedene Stadien erreicht haben. Während auf einem Podest die Reste in den Fluss gekehrt werden, wird auf einem anderen Podest eine Verbrennung vorbereitet. Alles läuft sehr pragmatisch ab, wenig feierlich. Das handwerkliche Treiben des Aufschichtens und Feuerhütens steht eindeutig im Vordergrund. Insbesondere die Holz-Reste im Fluss werden ohne Verzögerung sofort wieder herausgefischt und als Brennholz wiederverwendet. Unter einem der Podeste steht ein Mann mit einem sehr langen harken- oder schaufelartigen Werkzeug und sucht den Grund des Flusses ab, um evtl. wertvolle Überreste der Toten zu bergen.

Wir sind beeindruckt und gehen ins Hotel zurück. In der Bar loben wir den Barkeeper für seinen Restaurant-Tipp und trinken unser Abendbier. Wir riechen etwas rauchig von unseren Erlebnissen und duschen vor dem Abendessen. Diesmal essen wir ganz normale Sachen im Hotel, die aber auch exzellent sind. Wir gehen früh ins Bett. Nachts werde ich immer wieder wach, weil auf dem Dach (wir wohnen im Dachgeschoss) immer wieder hordenweise Affen umhertollen.

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Auf dem Weg nach Boudhanath
Stupa Boudhanath
Pashupati Nath