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Türkei / Lykien 2010 - Tag 4

Besteigung des Tahtali

Frühstück um 7:00 Uhr mit frischem Fladenbrot, Butter, Tee, Marmelade, Honig, Gurke, Tomate, Ei. Alles, was das Herz begehrt. Vorher hatten wir auch schon unsere Taschen gepackt und im Bus verstaut. Und die Wanderrucksäcke sind auch schon abmarschfertig.

Wir fahren ca. 20 min. ins nächste Dorf (Yayla Kuzdere?) und wandern dort auf ca. 900 m Höhe los. Erst geht es durch den Wald bergauf, der bald lichter wird und einer almartigen Landschaft Platz macht. Trotz der Höhe ist es sehr heiß und die Sonne brennt. Weiden mit wenigen Bäumen, meist Zedern, ab und zu Zäune. Auf ca. 1300 m Höhe eine Quelle, die wir gern nutzen und unsere Wasservorräte auffüllen. Nach kurzer Rast im Schatten eines Baumes weiter aufwärts. Wir sehen ein einzelnes Haus mit Garten, ähnlich einer Alm in den Alpen, aber keine Menschenseele, nur in der Ferne ein paar Kühe. Weglos ohne erkennbare Markierungen geht es weiter bergauf. Ohne unseren Guide wären wir hier verloren. Bei den letzten Bäumen auf ca. 1700 m Höhe eine lange Mittagspause. Wir trocknen unsere verschwitzten T-Shirts in der Sonne und sitzen essend und trinkend im Schatten. Mauritz verteilt wie immer Kekse an uns und gibt Tipps, welche die besten sind. Denn in den kleinen Supermärkten gibt es eine unüberschaubare Anzahl von Kekssorten. Sehr gut sind z.B. Sultani-Kekse, Vollkornkekse mit Rosinen.

Weiter geht es bergauf, nur noch wenige Bäume und jenseits der Baumgrenze sehen wir vor uns nur noch Steine, Felsen, große Disteln und trockenes Gras. Erst weglos bergauf ohne für uns erkennbares Ziel, dann plötzlich eine Art Rinne am Bergrücken entlang. Eine Maschine, die auf dem Gipfel Fundamentarbeiten erledigte für die neue Seilbahn, fuhr hier hinauf und bahnte sich selbst ihren Weg. Es muss eine starke Maschine gewesen sein mit erstaunlichen Fähigkeiten! Wir gehen in ihren Spuren, haben aber dennoch keinen leichten Weg. Große Felsen und Schotter, über uns der wolkenlose Himmel mit der heißen Sonne, vor uns der steile Aufstieg. Wir kämpfen uns voran und sehen auch bald den Gipfel (weit entfernt) vor uns.

Nach kurzer Rast geht es das letzte Stück bergauf, was wir natürlich auch schaffen! Während der Rast begegnet uns ein Franzose auf dem Abstieg vom Gipfel. Turnschuhe, kein Rucksack, nur eine kleine Trinkflasche, die auch noch halb leer ist. Wir geben ihm noch Wasser und schütteln den Kopf. Bei diesen Bedingungen ist das kein kluges Vorgehen...

Endlich auf dem Gipfel des Tahtali auf 2365 m Höhe, noch immer pralle Sonne, aber eine kühlere Prise. Touristen fragen uns ungläubig, ob wir tatsächlich zu Fuß(!) diesen Berg bestiegen hätten und wie lange das denn dauerte. Man muss dazu sagen, dass das Bergsteigen in dieser Gegend sicherlich nicht so verbreitet ist wie z.B. in den Alpen. Wir setzen uns ein wenig auf die Terrasse und genießen die Aussicht und warten auf die Seilbahn, die uns wieder ins Tal, allerdings auf der anderen Seite des Berges, bringen wird.

Die Seilbahn wurde 2007 von der Schweizer Firma Garaventa gebaut und macht einen sehr modernen Eindruck. Eine riesige Kabine bringt uns sehr schnell nach unten. Die Fahrt kostet 25 TL (oder € 12,50), wobei Einzelfahrten nicht zu erwerben sind. Es ist einfach undenkbar, dass jemand eine der Strecken nicht mit der Seilbahn fährt! - Fraglich ist natürlich, was so eine große Seilbahn mitten im Nationalpark soll...

Unten wartet Ibrahim auf uns und fährt uns in ca. 45 min. nach Çirali. Dort kaufen wir gleich ein bisschen Obst ein. Denn uns wundert etwas, dass es weder in den Supermärkten noch in den Hotels ausreichend Obst gibt. Ab und zu Weintrauben beim Essen, in den Läden Äpfel, Trauben und ein paar vergammelte Bananen. Eigentlich hat doch die Türkei mehr zu bieten! Wir suchen unser Hotel im Ort und biegen erst in ein schönes Objekt am Strand ein. Doch es ist belegt und auch nicht für uns gebucht, ein Fehler. Wir fahren weiter und unser nächster Halt ist das "Artemis Hotel", schon von außen ein Graus. Auch innen ist es nicht besser. Und zum Strand sind es 1 km... Und wir sind die einzigen Gäste. Um uns herum lauter Hotels, die alle viel besser aussehen... (P.S. Der Reiseveranstalter Diamir hat hier zugesagt, dieses Hotel nicht noch einmal zu buchen.)

Doch Mauritz, unser Guide ist selbst etwas erbost und hatte uns eigentlich einen schönen Strand versprochen nach unserer schwierigen Bergwanderung. Er fährt uns mit dem Bus an den Strand! Wir baden im warmen und ruhigen Meer in dieser herrlich gelegenen Bucht und es sind kaum Leute außer uns hier! Wir genießen das Wasser und die Landschaft um uns herum. Rechts sehen wir die Überreste der lykischen Stadt Olympos am Uferhang, fast wie eine alte Ritterburg anmutend. Hinter uns ragt in der Ferne der Tahtali in der Abendsonne auf und wir sind stolz darauf, heute schon dort oben gewesen zu sein!

Danach in die Strandbar zu Mauritz, der dort wartete und mit Ibrahim so etwas wie Backgammon spielt. Wir trinken einen Raki und schwatzen dabei über unsere Erlebnisse. Danach ins Hotel zurück und duschen, danach Abendessen im Hotel. Das Essen ist so lala, gegrilltes Geflügel und Reis und Salat. Aber wir haben viel mehr Hunger, als es zu essen gibt nach unserer Tour! Wir schwatzen noch beim Bier bis 22:00 Uhr und planen wieder den nächsten Tag mit Mauritz und der Karte.

Insgesamt waren wir heute etwa 6:35 h inkl. Pausen unterwegs, haben dabei ca. 8,6 km Strecke zurückgelegt und ca. 1500 Höhenmeter hoch und ca. 50 Höhenmeter wieder herunter bewältigt.

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Im Tal alles grün
Blick zurück von halber Höhe auf der Alm
Die Bäume zeigen, dass hier nicht immer gutes Wetter ist...
Auf etwa 1500 m Höhe
Kurz hinter der Baumgrenze auf etwa 1900 m Höhe auf dem steilen Aufstieg, Blick zurück
Blick nach vorn: Dort hinauf müssen wir noch!
Endlich auf dem Gipfel ein Blick nach unten auf die Küste
Und wieder hinab mit der Seilbahn