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Kuba 2013/2014 - Tag 7

Reisetag Baracoa - Santiago de Cuba

Wieder früh aufstehen und Frühstück um 7:00 Uhr wie gestern. Heute ist reiner Transfertag von Baracoa nach Santiago de Cuba, insgesamt 260 km Strecke. Los geht es 8:30 Uhr und die Straßen sind viel besser als vor Baracoa!

Auf der Strecke sehen wir wie schon auf den zurückliegenden Strecken viel Ländliches, also Dörfer, Bauern, viele frei laufende Haustiere aller Art, Pferde mit und ohne Wagen, Ochsengespanne. Praktisch keine PKW auf dem Lande und wenn, dann ausländische Mietwagen. Ein paar Busse, ein paar LKW. Wichtiges Transportmittel sind zu Bussen umgebaute große LKW. Auf der Ladefläche sind dafür Bänke, hohe Bordwände mit nur wenigen und kleinen Fenstern bzw. Sehschlitzen. Es erinnert ein wenig an einen Viehtransport, weil die Menschen auch sehr eng eingepfercht sind. Aber die meisten Kubaner reisen so von Stadt zu Stadt und der Preis ist offensichtlich niedrig.

Um die Mittagszeit sind wir schon fast am Ziel, müssen aber in einem außerordentlich schlechten Touristenrestaurant neben der Festung „Castillo del Morro“ zu Mittag essen. Viele Touristengruppen und furchtbare Hitze in dem Lokal, das Essen ist durchschnittlich. Wir sind froh, als wir wieder draußen sind und es zu Festung geht. Sie steht direkt am Meer und war als Küstenverteidigung gedacht, vor allem gegen zahlreiche Piraten. In der Festung gibt es einige Ausstellungsräume zum Thema. Als Piraten sind z.B. der berüchtigte Henry Morgan erwähnt und gezeigt, und auch Alexander Selkirk, der ja die Vorlage war für Daniel Defoe's Robinson Crusoe.

Wir fahren weiter in die Innenstadt von Santiago und machen einen ersten Spaziergang noch bei Tageslicht. Es hat vor kurzem geregnet und die Straßen sind noch nass. Die Sonne steht tief und scheint ein wenig und es ist ein tolles Licht zum Fotografieren. Wir sehen wieder tolle Oldtimer als PKW und LKW. Natürlich auch viele Fahrzeuge als dem Ostblock. Da sind viele und sehr gut gepflegte MZ-Motorräder als ETZ 125 oder ETZ 250/251. Mit oder ohne Beiwagen. Genauso sieht man ab und zu eine Jawa 350, auch teils mit Beiwagen. Als Autos fahren neben den alten amerikanischen Oldtimern (darunter überwiegend alte Chevrolets und Dodges aus dem 1950er und 1960er Jahren) unheimlich viele alte Ladas und noch mehr Moskvichs herum. Letztere wurden unmittelbar nach der Wende zu allererst in der DDR abgeschafft, nicht zuletzt wegen des hohen Spritverbrauchs… Aber hier sind es wohl zuverlässige Fahrzeuge, die auch mit den hiesigen Straßen gut umgehen können. Von Julio haben wir erfahren, dass das Benzin auf Kuba sehr teuer ist, fast genauso teuer wie in Deutschland. Hat jemand privat ein Auto, ist er praktisch gezwungen, damit (z.B. als Taxi) Geld zu verdienen, weil ansonsten das Auto ohne solche Einkünfte nicht betrieben werden könnte. Benzin bezahlt man dazu noch mit wertvollen CUC, d.h. mit der Devisenwährung, die ja erst seit wenigen Jahren für Kubaner im Kurs von 1:25 gegen den nationalen Peso frei tauschbar ist.

Man sieht daran wieder, wie schwierig das tägliche Leben auf Kuba ist, viel schwieriger als in der ehemaligen DDR oder dem ehemaligen Ostblock. Der allgemeine Mangel ist heute auf Kuba sehr viel schwerwiegender und es wird schon sehr viel länger von der Substanz gelebt, die irgendwann zusammenbrechen muss. Man sieht dies an den Autos, den Straßen, den Häusern, den Fabriken.

Kanadier machen nicht nur sehr oft Urlaub auf Kuba, mit Kanada gibt es (als Umgehung des US-Embargos) vielfältige wirtschaftliche Kooperationen, die Kuba helfen. Kanada findet es vermutlich auch ganz prima, den USA eins auszuwischen. Aber trotz einzelner Verbesserungen wird sich die allgemeine Lage auf Kuba vermutlich weiter verschärfen und es wird sicherlich spannend zu beobachten sein, wie sich die kubanische Bevölkerung und die Regierung dabei verhalten werden. Man kann den Kubanern jedenfalls nur alles Gute wünschen und dass sie ihre Freundlichkeit, Gelassenheit und Großzügigkeit bewahren.

Auf dem Platz vor dem Hotel „Casa Grande“ laufen die Vorbereitungen für die große Ansprache von Raúl Castro zum 55. Jahrestag der Revolution am 1.1.2014. Alles wird bestuhlt, Technik installiert. Große Plakate hängen schon. Wir gehen durch die Straßen und erleben das quirlige Leben der wichtigsten Stadt von Kubas Osten, stets im Wettbewerb mit Havanna im Westen. Julio erklärt uns, dass dabei alles im Wettbewerb steht, z.B. Bauten, Flughafen-Landebahn-Längen, Sport (Nationalsport auf Kuba ist Baseball, hier „Beisbol“) usw. Macht die eine Stadt etwas, will es die andere überbieten und so fort.

Nach unserem Rundgang gehen wir auf die berühmte Dachterrasse des Casa Grande, 3 CUC Eintritt und dafür ein Freigetränk oben an der Bar. Oben toller Rundumblick und ein schöner Sonnenuntergang bei herrlich kühler Brise. Wir fühlen uns wohl und könnten hier gern noch länger sitzen!

Aber weiter geht es zu unserem Hotel, leider etwas außerhalb. Eigentlich hätten wir im Casa Grande übernachtet, aber es gibt nicht genug Plätze. Dafür nun ins Meliá, dem besten Hotel vor Ort mit 5 Sternen. Ein großer und sehr hässlicher Bau, etwas in die Jahre gekommen, aber mit allem Komfort.

20:30 Uhr fahren wir mit unserem Bus gemeinsam in die Stadt. Julio will nicht entscheiden, in welche Bar wir gehen, gibt aber Empfehlungen. Überall kostet es Eintritt, wir sind aber noch zu früh. Wir gehen in ein kleineres Lokal mit Live-Band im Hinterhof. Schöne Musik, aber recht langsam. Erst später stellt sich heraus, dass die Band nicht komplett ist und auf 2 Nachzügler wartet. Kaum sind die da, geht es bedeutend schneller und lebhafter zur Sache. Dabei müssen wir gerade jetzt gehen, denn unser eigentlich bevorzugtes Lokal „Casa de la Trova“ ist erst jetzt geöffnet. Das Lokal ist sehr berühmt und wohl als das „Bestes der Stadt“ zu bezeichnen. Es spielt schon die Musik und wir zahlen den fürstlichen Eintritt von 5 CUC. Eine Treppe hoch und wir sind im gut gefüllten Saal mit vielen Leuten, kaum Touristen. Die Band spielt begnadet, aber auch sehr laut. Auf dem schmalen Balkon kann man dem Treiben auf der Straße zusehen, innen der Musik und den tollen Tänzern. Wir tun das alles eine Weile und sehen tolle Musik und unter uns auf der Straße Musiker mit kleinen Wägelchen voller Instrumente, die sie durch die Straßen schieben auf dem Weg zu ihren Auftrittsorten.

Gegen 23:30 Uhr gehen wir, auf der Suche nach einem Taxi. Es soll unbedingt ein Oldtimer sein und wir finden sofort eines! Es ist ein blauer, uralter Chevrolet, in dem wir 5 Gäste ohne Probleme Platz finden. 5 CUC kostet die Fahrt und ein bollernder Reihen-6-Zylinder bringt uns gut gefedert zum Hotel. Wir dürfen sogar noch unter die Motorhaube schauen: Alles original!

Ein schöner Abend geht zu Ende und wir sinken erschöpft in die Betten.

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Durch die Berge nach Santiago
Auf Santiagos Straßen
Vorbereitungen für die Rede von Raúl Castro!
An der Bar auf der Dachterrasse des Casa Grande
Blick von der Dachterrasse des Casa Grande auf den wunderschönen Sonnenuntergang