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Kambodscha 2012/2013 - Tag 12

Phnom Kulen - Anlong Thom, Wanderung

Nach einer kurzen Nacht geht es heute schon wieder sehr früh los. Schon kurz vor 7:00 Uhr bin ich auf der Dachterrasse zum Frühstück und natürlich fast allein. Aber es ist schon alles vorbereitet und es gibt alles! Tolle Früchte, Pfannkuchen, Rührei, Spiegelei, Nudeln, Reis, Tee, Kaffee…

Wir brechen früh mit dem Bus auf und schon 7:30 Uhr geht es Richtung „Banteay Srei“. Dieser Tempel liegt etwas außerhalb und wir brauchen fast eine Stunde bis dorthin.

Noch sind nur wenige Leute hier und wir können in aller Ruhe das sehr schöne und gut erhaltene kleine Objekt besichtigen. Über einen Prozessionsweg, der nur rudimentär vorhanden ist, geht es durch mehrere wunderbar erhaltene kleine Tore, eher Türen, in das Tempelinnere. Wir sehen filigranste Sandsteinarbeiten, fast schon Schnitzereien, mit Hinterschneidungen etc. Kaum zu glauben, dass diese Kunststücke so lange halten. Im Inneren des Tempels gibt es mehrere kleinere Gebäude, die von einer Mauer umgeben sind. Alles wurde sehr geschmackvoll arrangiert.

Wir haben aber doch nicht so viel Zeit zum ruhigen Besichtigen und Fotografieren im Morgenlicht, denn es strömen in Windeseile große Touristengruppen in den Tempel. Vor allem Asiaten mit Gruppen von 50 und mehr Leuten drängen herein und es ist kein Ende in Sicht. Wir verlassen den Tempel auf der Rückseite und laufen an der Seite, wo auch ein Wasserreservoir mit schönen Seerosen angrenzt, wieder nach vorn. Auf der Rückseite musiziert, wie schon bei anderen Tempeln gestern, ein Ensemble von Landminen-Opfern, das sich so etwas Geld verdienen. Sie verkaufen sogar eine CD mit traditioneller Musik.

Wir kämpfen uns durch Touristenmassen zurück zum Bus. Es ist fraglich, ob alle diese Leute gleichzeitig in diesen winzigen Tempel passen… Man muss zum Busparkplatz unbedingt über den Markt laufen, alle anderen Abkürzungen sind versperrt. So sorgt man für bessere Geschäfte.

Wir fahren mit dem Bus noch ein ganzes Stückchen, teils über Straße, meist über huckelige Feldwege und steigen an einer kleinen Ansiedlung mit wenigen Häusern aus. Vor uns beginnt ein Anstieg auf einen Berg, den „Phnom Kulen“, wo unter anderen auch der Sandstein für die Tempel von Angkor gewonnen wird. Wir steigen über viele Stufen langsam nach oben und schwitzen wieder wegen der großen Hitze mächtig.

Auf halber Höhe kommen wir zu einem kleinen, neu erbauten Tempel, dem „Wat Preah Ang Chub“. Wir verweilen nur kurz, trinken und schauen uns den Altar an. Danach geht es weiter aufwärts, zum Glück meist durch schattigen Wald. Wir sind schon auf über 300 Meter Höhe, haben also, von 50 Meter Höhe schon einiges bewältigt, angesichts der Hitze. Wir wandern jetzt auf einem Hochplateau fast eben und kommen durch ein kleines recht idyllisches Dorf, welches wir aber nur passieren und nicht anhalten. Kurz darauf stoßen wir auf einen Fahrweg mit relativ viel Verkehr. Wir wandern den Weg entlang zu einem kleinen Flüsschen, dem „Fluss der 1000 Lingas“, auch „Kbal Spean“ genannt. Dort sind zahlreiche Sandsteinreliefs im flachen Wasser zu bewundern. Das Wasser ist sehr klar und die Sonne scheint schön auf die Reliefs, sodass sie gut zu sehen sind. Die Reliefs zeigen viele hinduistische Motive und eben sogenannte Lingas, Verkörperungen des Gottes Shiva, meist in Phallus-Form, aber nicht nur.

Wir gehen den Weg ein Stück zurück und anschließend durch eine Reihe von Verkaufsständen und über eine breite Treppe zum Tempel „Wat Preah Kral“, wo geschäftiges Treiben herrscht. Viele Menschen beten oder waschen sich mit Wasser, welches zuvor über ein großes Lingam gegossen wurde.

Wir ziehen unsere Wanderschuhe aus und gehen eine steile Treppe zu einer Überdachung, die die Spitze eines Felsens überdeckt, hinauf. In die Spitze des Felsens ist monolithisch ein großer, liegender Buddha gehauen. Es ist nicht viel Platz und man geht in einem schmalen Gang an dem Buddha vorbei. Hier wird sehr viel gespendet und gebetet, alles liegt voller Geldscheine. Am anderen Ende wieder hinaus und nach unten. Dabei sieht man, dass dieser kleine überdachte Platz sehr gewagt auf der Felsspitze balanciert.
Wir laufen die breiten Stufen wieder hinab, am Wegesrand ist unter anderem ein Stand, wo offensichtlich illegal gejagte Tiertrophäen, evtl. auch als mystische Heilmittel, angeboten werden.

Von hier aus laufen wir weiter bergab, bis wir wieder an den Fluss kommen, jedoch an anderer Stelle. Hier herrscht sehr viel Trubel, denn es ist eine öffentliche Badestelle und Picknickplatz mit den uns bekannten überdachten Plattformen und auch einem Restaurant, wo wir etwas essen. Getränke aus der Kühlbox, das Essen ist gut, auch wenn ein gefülltes Fischomelett etwas merkwürdig ist.

Wir haben keine Zeit zum Baden und haben heute noch viel vor. Zurück zum Bus, der uns wieder sehr langsam und über sehr holperige Straßen an den Startpunkt unserer nächsten Wanderetappe bringt. Manchmal wären wir zu Fuß schneller und an einer Brücke müssen wir aussteigen, damit der Bus es hinüber schafft. Halt machen wir mitten in der Wildnis, wie es scheint. Der Untergrund ist ein riesiges massives Sandsteinplateau, ringsum auch Sandsteinfelsen. Dahinter zwei moderne Tempel, einer vollständig silbern angestrichen, wie in den Silber-Farbtopf gefallen, der andere genauso, nur Golden… Ein surrealistisches Bild, ringsum nur Natur. Wir machen hier nur kurze Toilettenpause und wandern weiter durch Wald, Wiesen und Cashewnuss-Plantagen, flach und bergab.

Mitten im Wald machen wir noch mehrere spannende Entdeckungen. Zuerst stoßen wir auf eine Ruine aus Laterit-Quadern, ganz offensichtlich ein verfallener Tempel, obenauf steht noch der Opferplatz. Lt. Unserem Guide heißt der Ort „Aram Rounchin“.

Nach einiger Zeit sehen wir, zwischen Sandsteinfelsen verborgen, ein größeres Relief, kunstvoll in einen Felsüberhang gehauen. Es ist erstaunlich gut erhalten und wurde sicherlich nie richtig restauriert. Noch einige Meter weiter wird uns noch ein größeres Felsrelief gezeigt, was in einer Mulde verborgen ist. Es wurde offenbar erst vor ganz kurzer Zeit erst entdeckt. Es ist mehrere Meter lang und hoch, rundum liegen noch andere Relieffragmente. Es war wohl ein Platz mit mehreren Kunstwerken in einer Gruppe, so wie es aussieht. Wir sind begeistert, weil diese Dinge ja weitab von Angkor und den Touristen liegen und sicherlich noch viel weitere solche Schätze im Dschungel verborgen liegen!

Gegen 17:30 Uhr kommen wir in ein großes Dorf und es dauert lange, bis wir es durchquert haben. Wir beobachten das Dorfleben und werden freundlich begrüßt. Am Ende des Dorfes finden wir das Kloster „Anlong Thom“, wo wir heute übernachten. Unser Platz ist ein großes Holzhaus auf Stelzen mit einem großen Gemeinschaftsraum und einer darin befindlichen großen Kochstelle, um die sich eine Nonne kümmert. Es gibt wieder Matratzen und Moskitonetze. Die Waschräume, wieder mit Zuber, Schöpfer und Klo, sind etwas weiter weg, aber auch wieder sehr sauber. Wir beziehen unsere Ruheplätze und machen uns frisch.

Kurz nach dem Dunkelwerden gibt es Abendessen, was aus dem Restaurant unserer Mittagspause stammt. Uns schmeckt es wieder prima und es gibt sogar elektrischen Strom aus einem altertümlichen Generator, der vor sich hin knattert und ab und zu mal ausfällt. Wir halten aber sowieso nicht lange aus, weil heute ein anstrengender Tag und die vorige Nacht kurz war. Glücklicherweise bekomme ich noch eine Taschenlampe geliehen! Meine leuchtet vermutlich immer noch im Tonlé-Sap-River und die Fische wundern sich…

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Übersichtskarte
Sonnenaufgang am Neujahrstag
Banteay Srei, Eingang
Banteay Srei, Eingang
Banteay Srei
Banteay Srei, Detail
Banteay Srei, Detail
Banteay Srei
Banteay Srei
Banteay Srei, Außenansicht
Auf vielen Stufen den Phnom Kulen hinauf
Tempel Wat Preah Ang Chub
Fluss der 1000 Lingas, auch Kbal Spean genannt
Wat Preah Kral
Wat Preah Kral
Der Goldene und der Silberne Tempel auf dem Phnom Kulen
Erstes Relief im Wald
Zweites Relief im Wald