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Kambodscha 2012/2013 - Tag 4

Chi Pat, Wanderung

Wieder ist sehr früh die Nacht zuende und ich habe auch noch schlecht geschlafen. So ganz habe ich die Zeitumstellung immer noch nicht geschafft.

Mit dem Rad sind wir schnell zurück durchs Dorf zum Frühstück geradelt und essen sehr gut Reis und Nudeln mit Gemüse, danach eine schöne Banane im Kokosreismantel, das Ganze in einer Bananenblatthülle gegrillt. In den nächsten Tagen sehen wir das sehr oft, es ist ein Standardsnack auf Kambodschas Märkten und Straßenständen.

Gegen 8:00 Uhr geht es los, diesmal auf dem Sozius von 16 Mopeds, die uns durch die Pampa zum Start unserer heutigen Wanderung bringen sollen. Fast 1 Stunde fahren wir durch Wald und Wiesen, oft keine einfachen Weg, manchmal heißt es Absteigen bei schwierigen Passagen. Unsere Fahrer fahren alle gut und vorsichtig und bringen alle heil ans Ziel.

Nach einer kurzen Pause geht es mit dem Wandern los. Wir stecken unsere Hosenbeine in die Wanderstrümpfe, denn es soll einige Blutegel geben. So wollen wir verhindern, dass sie in den Hosenbeine kriechen. Es ist sehr schwül, die Sonne brennt. Wir sind froh, wenn es mal durch den Wald geht und nicht über Wiesen ohne Schatten.

Wir kommen an einem ausgetrockneten See vorbei, jetzt nur noch Sumpf. Am Ufer Elefantendung! Es gibt hier also wirklich wilde Elefanten! Am Seeufer wieder in den Wald hinein und auf guten Wegen Richtung Mittagspause an einem Flüsschen, das so auch in Deutschland vor sich hin plätschern könnte. Wir schauen in unsere schönen Lunchpakete, die wir heute morgen erhielten. Es sind geflochtene Körbe mit Deckel, beide Teile sind mit Bastschnüren verbunden. Man muss die Schnüre erst aufknoten, erst dann kann man den Deckel an den Schnüren entlang hochziehen. Darin Reis, gebratenes Geflügel und Rührei. Alles mit Bananenblättern eingepackt. Es schmeckt uns gut! Zu unserer Wandergruppe gehört auch ein Träger, der die ganze Zeit eine große Truhe aus Styropor auf dem Rücken schleppt. Es ist sehr unbequem, weil er dazu keine Riemen oder irgendein Gestell hat. Aber er trägt sie mit einem Lächeln. Es sind gekühlte Getränke drin, die wir mittags gern in Anspruch nehmen. Aber gefordert hat diesen anstrengenden Transport niemand von uns…

Nach der Mittagspause, in der wir nach dem Essen noch ein wenig am Wasser dösen konnten, geht es noch etwa 2 Stunden weiter, bis wir unser heutiges Nachtlager aus Zelten erreichen. Sie stehen zum größten Teil schon, gruppiert neben einem erhöht gelegenen, überdachten Picknickplatz. Dort liegt auch unser Hauptgepäck und die Begleitmannschaft ist schon fleißig am Kochen. Dazu gibt es noch ein Waschzelt (Wasserfass plus Schöpfer) und ein Klozelt (mit betoniertem Sockel und darin eingelassenem Hock-Klo, nebst Fass und Schöpfer zum Spülen). Alles sehr sauber. Die Zelte sind praktisch neu und recht geräumig. Ich habe wieder ein Einzelzelt und bin froh darüber.

Wir beziehen unsere Zelte und schauen uns noch einmal genau unsere Knöchel an. Denn während der Wanderung wurden wir ziemlich von kleinen Blutegeln gepiesackt, die meist sogar durch dicke Wandersocken hindurch bissen und saugten. Kleinere Wunden werden versorgt, was durch das relativ starke Bluten dieser Wunden nicht so einfach ist. Auch ich habe einen Blutegel an der Socke, der es jedoch nicht geschafft hat, sich durchzubeißen.

Unser Zeltplatz liegt am Ufer eines Flusses, in dem man aber zumindest hier nicht baden kann. Das Ufer ist dafür ungeeignet. Deshalb fahren wir gegen 15:30 Uhr mit dem Boot ein Stück den Fluss hinab. Eine sehr schöne Landschaft umgibt uns, alles ist still und richtig romantisch. An einem ausgeschilderten Badeplatz können wir vom Boot aus ins Wasser, was ich mir jedoch erspare. Ins Wasser kommt man nur mit einem beherzten Sprung, hinaus ist es schon schwieriger. Denn das Boot hat eine sehr hohe Bordwand und mit vielen Mühen und einem Umweg über ein am Boot liegendes Kanu schaffen es alle wieder (keuchend) ins Boot zurück.

Schon gegen 17:00 Uhr gibt es Abendessen, teilweise noch bei Tageslicht im erhöht gelegenen „Essenssaal“. Wir sitzen um/auf einer großen Plane, die unser Tisch ist, es gibt Reis mit Gemüse und Rührei. Heute ist ja Heiligabend, aber es will keine weihnachtliche Stimmung aufkommen. Der Platz ist auch nicht besonders gemütlich, muss man sagen. Die Beleuchtung ist ein grelles Neonlicht.

Nach dem Essen erzählt unser lokaler Guide Sin etwas aus seinem Leben. Er ist 1980 in einem kleinen Dorf geboren, also auf dem Lande, also Sohn von Bauern. Obwohl damals die Roten Khmer offiziell schon nicht mehr an der Macht waren (bis Ende 1978), gab es trotzdem immer noch einen Guerillakrieg fast im ganzen Land. Sin wurde zum Kindersoldaten und wurde gezwungen, Minen zu legen und vergiftete Holzspieße als Tretfallen in Reisfelder zu installieren. So ging das noch bis 1997! Die Landbevölkerung hatte unter anderem auch kaum eine Möglichkeit, Informationen über die Lage im Land zu erhalten und so kämpften viele, wie Sin, uninformiert und sicherlich auch verblendet einen sinnlosen Kampf. Bei uns ist diese Geschichte weitgehend unbekannt. Erst nach 1997 beruhigte sich die Lage im Lande. „Dank“ der Roten Khmer, die einen sehr großen Teil der Intelligenz des Landes auslöschte, gab (und gibt es bis heute) allerdings viel zu wenige Lehrer und andere Kräfte, die das Land wieder aufbauen könnten. Auch Sin wurde, neben vielen anderen Jobs, zeitweise Lehrer und lehrte u.a. Englisch. Die Verdienstmöglichkeiten sind dabei aber so gering, dass man davon kaum leben kann (er nannte als Beispiel 60 USD pro Monat, wobei eine Wohnung in Phnom Penh jedoch 100 USD pro Monat kostet). Ein paar Jahre lebte Sin auch als buddhistischer Mönch, schlug sich als Tuk-Tuk-Fahrer durch. Heute hat er als Touristen-Guide einen sehr guten Job und dürfte überdurchschnittlich verdienen. Daneben war und ist die Korruption eines der größten Probleme im Lande. Weiterhin sind Führungskräfte der Roten Khmer bis heute in höchsten Positionen angesiedelt, z.B. der amtierende Premier Hun Sen. Wir werden noch in den nächsten Tagen viel darüber erfahren und den Eindruck gewinnen, dass es schnelle Lösungen und Fortschritte in Kambodscha nicht geben kann und wird. Erst muss eine oder sogar zwei Generationen nachwachsen und auch eine neue Intelligenz geschaffen werden.

Gegen 20:30 Uhr sind wir schon im Bett oder schwatzen in der kühleren Abendluft bei einem Bier.

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Übersichtskarte
Unsere Mopedfahrer
Durch den Wald
Eine große Spinne hat ihr Netz über den Weg gespannt
Eine große Spinne hat ihr Netz über den Weg gespannt
Im Zeltlager angekommen
Auf dem stillen Fluss
Auf dem stillen Fluss