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Azoren 2008 - Tag 9

Walbeobachtung, Insel Pico

Heute schon 8:15 Uhr Frühstück, 9:15 Uhr geht es los nach Velas. Von dort fahren wir mit der Fähre nach Pico, der Hafen heißt São Roque. Die Fähre ist ein schneller Katamaran, recht modern, er kann im Hafenbecken auf der Stelle wenden, was er mit Schmackes und ohne viel Zögern tut. Es regnet in Strömen und wir zweifeln, ob das heute was wird mit dem Walegucken, neudeutsch Whale Watching.

Auf Pico angekommen ist das Wetter noch immer schlecht. Ein freundlicher Fahrer erwartet uns und karrt uns in einem Kleinbus quer über die Insel auf die Südseite. Zwischendurch Halt an einem bekannten Kratersee, dem "Lagoa do Capitão". Bei dem Wetter heute ist er aber nicht so brillant und auch die Enten und Gänse wollen nicht so richtig. Weiter geht es nach Lajes, von wo wir aus zum Walebeobachten gegen 14:00 Uhr starten wollen. Wir besichtigen noch ein Museum ("Centre for the Arts an Marine Sciences") über Walfang mit den ausgestellten Maschinen und mit interessanten Videos und 3D-Animationen dazu. Ganz neu und mit EU-Geldern finanziert. Danach essen wir noch eine Kleinigkeit zu Mittag.

Unser Boot hat einen Kohlefaserrumpf und umlaufend einen Schlauchbootrand. In der Mitte sind 10 Sitze, ähnlich Sätteln, sehr schmal, sehr dick gepolstert. Hinten eine kleine Lehne, vorn ein großer Griff. Zwei Käptn's, die sich ablösen, einer sieht so aus wie der Fußballer Ailton. Uns begleitet außerdem ein deutsch sprechender, tschechischer Guide und ein deutscher Kameramann der Deutschen Welle, der eine Reportage über das Walebeobachten drehen will. Aus unserer Gruppe bleibt ein besonders Magenschwacher zurück am Ufer und winkt uns zu.

Wir düsen bei super Wetter und Sonnenschein aus dem Hafen, das Boot hat immerhin 225 PS. Brutal harte Schläge durch die Wellen, jetzt wissen wir, warum die Sitze so sind wie sie sind. Nur nicht sitzenbleiben, schwebend halten, alle Muskeln angespannt zum Ausgleichen der Wellen. Wir haben viel Spaß, soviel, dass wir fast auf Wale verzichten könnten!

Wir sichten Grindwale, die sind recht klein, etwa so groß wie ein Delphin. Wir sind aber froh und schauen gespannt, sogar eine Mutter mit Kind sehen wir. Fotografieren ist sehr schwierig, weil die Tiere nur Sekunden auftauchen und das Boot dazu schaukelt. Also immer draufhalten! Um zu sehen, ob ich was erwischte, schaue ich mir wenige Minuten auf dem Kameradisplay kurz die Bilder an. Diese Minuten reichen aber, dass ich seekrank werde! Ich füttere eifrig die Fische hinten im Boot, wo es am wenigsten schaukelt und langsam geht es mir besser.

Inzwischen hat der Käptn einen Fischschwarm entdeckt anhand jagender Gelbschnabelsturmtaucher und Möwen, die über eine Stelle kreisen. Und dort sind auch Delphine! Von Ferne sehen wir, wie sie teilweise senkrecht aus dem Wasser schießen während des Jagens. Schnell sind wir dort und staunen. Direkt neben dem Boot und toll zu sehen. Wir sind begeistert. Der Kameramann hat aufgegeben: Nur mit Handkamera ist bei diesem Gewackel nix zu machen...

Das Wetter verschlechtert sich, der Käptn ruft alle Leute auf die Sitze zurück und fährt mit Vollgas in den Hafen zurück. So schnell war ich noch nie in einem Boot unterwegs. Im Hafen wird er erst langsamer und dreht dann nochmal mit einem Affenzahn eine Runde. Unser Zurückgebliebener sieht uns hereinschießen und schafft es laufenderweise kaum, uns rechtzeitig zu begrüßen. Wir sind glücklich wieder an Land und zahlen dankbar unsere �,� 35. Dann gibt es noch einen kleinen Snack in einem Hotel, dem "Alojamento Bela Vista", das dem Besitzer der Whale-Watching-Firma auch gehört und ganz neu ist. Eigenwerbung, die funktioniert, denn wir empfehlen die Bleibe gleich unseren Hotel-Mitbewohnern! Der Besitzer packt uns die Reste, Brot und Käse ein, sodass wir morgen ein prima Picknick haben.

Wir fahren wieder zurück nach São Roque, die Fähre nach Velas geht gegen 19:30 Uhr. Wir hören dort, dass es auf São Jorge fast den ganzen Tag schlechtes Wetter war und gehen zufrieden mit unserem Wetter-Glück ins "Velense" essen und sind nochmal sehr zufrieden: Ein blitzschneller, freundlicher Service vom Chef selbst, der fast Kondensstreifen hinter sich her zieht, ein sehr gutes Essen und eine gemütliche Athmosphäre. Das sehen wohl auch die Einheimischen so, denn die Hütte ist voll. Dazu sind die Preise erstaunlich niedrig, das ist unsere preiswerteste Einkehr bisher.

Gegen 22:30 Uhr sind wir zurück im Hotel und sind totmüde. Außerdem ist das Wetter schlecht, Regen und Sturm, der fast die ganze Nacht anhält.

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Trübe Aussichten...
Erste Sichtung: ein Grindwal!
Schön nah: noch ein Grindwal
Mutter und Kind Grindwal
Die Fähre zurück nach São Jorge