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Tramuntana 2011 - Tag 5

Sóller - Cúber-Stausee

In der Nacht tobt über uns ein heftiges Gewitter. Es blitzt und donnert und regnet sehr stark. Aber am frühen Morgen ist alles vorbei und der Tag beginnt mit gutem Wetter.

Wieder geht es mit dem Bus zurück an unseren gestrigen Zielpunkt, der heute unser Startpunkt ist. Wir laufen kurz durch das herbstlich wirkende morgendliche Sóller, wo die Geschäfte öffnen und die Laubbläser (ganz wie in Deutschland) auf den Straßen aktiv sind und Lärm und Gestank verbreiten. Ich kaufe noch etwas Käse und Wasser und gegen 10:00 Uhr geht es los, heraus aus der Stadt.

Von ca. 60m Höhe  wandern wird durch Straßen und Gassen zum nahen Dorf Biniaraix. Dort an einem Waschhaus vorbei und etwas weiter durch Straßen, dann beginnt kurze Zeit später unser Aufstieg durch die Schlucht von Biniaraix. Vorher können wir noch einen Blick auf unseren heutigen Gipfel, den Puig de l’Ofre, erhaschen, bis er wieder hinter anderen Felstürmen verschwindet. Wir sind mehrere Stunden lang auf Treppenserpentinen unterwegs, wieder lang gezogene Stufen aus sehr groben Geröllsteinen, das Gehen auf Dauer strengt sehr an. Wir machen zwei kleine Pausen, bis wir oben sind. Ab und zu blicken wir nach unten und sehen unter uns Sóller, die Küste und Teile des zurückgelegten Weges. Neben uns hoch aufragende Felswände, teils bunt gemustert. Auch sehen wir wieder viele Terrassen, die teilweise vor Hunderten von Jahren angelegt wurden.

Nach den Steintreppen geht es wesentlich einfacher weiter auf Waldwegen in Serpentinenform, eng zwar, aber viel weicherer Untergrund. Es kommt ein kalter Wind auf, sodass wir Jacken und andere wärmere Sachen anziehen, das erste Mal auf dieser Tour. Der Pfad schlängelt sich bis zum Gipfel, zum Glück oft bewaldet und dadurch schattig, sodass wir nicht zu sehr schwitzen müssen. Denn zwischenzeitlich lässt der Wind nach und die Sonne zeigt sich. Doch auf dem Gipfel in 1.093 m Höhe findet uns der Wind wieder und bläst kräftig. Wir finden aber eine windgeschützte Ecke und machen, nach bisher nur sehr kurzen Pausen, etwas länger Mittagspause, dabei auf das weite Land vor uns blicken. Wir sehen ganz Sóller, Port de Sóller und auf der anderen Seite Teile unseres bisher zurückgelegten Weges, in der Ferne auch den Berg S’Esclop.

Vom Gipfel geht es über Waldwege hinunter zum Cúber-Stausee auf 750 m, den wir schon vom Gipfel sahen, zusammen mit dem weiter unten gelegenen Stausee Gorg Blau. Es bleibt kühl und windig, kaum noch Sonne. Der Stausee hat sehr wenig Wasser, kaum 50% seiner maximalen Größe sind vorhanden. Wir wandern lange am Ufer entlang zum anderen Ende, wo unser Bus wartet. Am Grund des Stausees sind Begrenzungsmauern zu erkennen, Reste ehemaliger Bebauung und Bewirtschaftung. Aina erzählt uns, dass das früher Apfelplantagen waren. Unterwegs begegnen uns viele Schafe mit Lämmern, die durch die Landschaft streifen. Am Wegesrand versucht man, Steineichen aufzuforsten und hat die Bäume zwei Meter hoch mit Maschendraht geschützt vor dem Schaffraß. Steineichen wachsen sehr langsam, sodass es sicherlich noch eine Weile dauert, bis hier wieder richtiger Wald ist.

Ca. 17:00 Uhr sind wir am Bus und fahren 30 min. lang zum Kloster Lluc. Dort checken wir in unsere kleinen Pilgerzimmer ein, beziehen die Betten und richten uns ein. Hier gibt es keinen Zimmerservice. 19:30 Uhr gibt es Abendessen mit festem Programm, d.h. kein Buffet. Heute gibt es als Vorspeise die traditionelle Sopa Mallorquin, eine Art Kohleintopf. Meiner Meinung nach ist es eine Abwandlung von Szegediner Gulasch und schmeckt sehr gut. Als Hauptgang gibt es Fisch mit Paprika und Kartoffeln, als Nachtisch eine Art Flan. Alles sehr gut und reichlich, wir sind begeistert. Jeden Abend gibt es nach dem Essen einen speziellen Kräuterlikör (aufs Haus, eine große Flasche mit Zapfhahn steht auf dem Tisch), heute einen leckeren Anis-Kräuter-Likör. Der Speisesaal ist sehr stimmungsvoll und sogar geheizt. Nach ein paar Schwätzchen und einem Abendbier geht es ins Bett in die leider ungeheizten Zimmer. Wir sind schließlich in einem Kloster.

Insgesamt waren wir heute etwa 7 h inkl. Pausen unterwegs, haben dabei ca. 17 km Strecke zurückgelegt und ca. 1.100 Höhenmeter aufwärts und ca. 350 Höhenmeter abwärts bewältigt.

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Übersichtskarte der heutigen Tour von Sóller zum Cúber-Stausee
Höhenprofil der heutigen Tour von Sóller zum Cúber-Stausee
Der heutige Gipfel, der Puig de l’Ofre, im Nebel
Auf Steintreppen durch die Schlucht von Biniaraix
Kurz vor dem Gipfel, Blick nach unten zum Cúber-Stausee
Auf dem Weg zum Gipfel
Blick vom Gipfel zurück nach Sóller
Modell-Kuh beim Wiederkäuen