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Sri Lanka 2011/2012 - Tag 14

Reisetag Tissamaharama - Induruwa, Kataragama

7:00 Uhr aufstehen, 7:30 Uhr Frühstück, 8:15 Uhr Abfahrt Richtung Kataragama, einem wichtigen Pilgerort für fast alle Religionen, d.h. vor allem für Buddhisten, Hinduisten und Muslime. Das Frühstück ist gut, auch wenn die srilankinische Komponente etwas zu kurz kommt. Dafür gibt es tolle Omeletts, die mit Marmelade sehr gut schmecken. Die Nacht war ruhig, aber bereits gegen 5:00 Uhr morgens setzte lauter Straßenlärm ein mit zahlreichen Melodiehupen. So bestand jedenfalls nicht die Gefahr, dass ich verschlafe.

Wir fahren mit gepackten Koffern zu den Tempeln, heute ist es recht bedeckt, aber trotzdem schwülwarm. Wir schwitzen still vor uns hin, auch wenn wir uns gar nicht bewegen. Wir sind 8:45 Uhr in Kataragama und laufen eine Weile zum Tempelkomplex. Wir überqueren einen heiligen Fluss, in dem Gläubige baden, aber auch Wäsche waschen. Fische werden aus großen Körben mit Popkorn gefüttert, das Wasser brodelt voller Fische am Fütterungsplatz! Wir kommen an vielen Verkaufsständen vorbei, wo Opfergaben verkauft werden. Konkret sind das große Obstkörbe, frische Blumen und spezielle Glücksbringer. So gibt es z.B. eine aufgefädelte Kette aus Limetten, Chilischoten und Blättern, die in geweihter Form an die Autostoßstange gehängt werden für allzeit gute Fahrt. Später treffen wir unseren Fahrer mit einem großen Obstkorb in der Schlange vor dem Tempel, wo das Obst geweiht wird. Um die zentrale Stupa herum zahlreiche Opfertische, Weihrauchstäbchen und viele Betende.

Überall sind kleine, aber sehr aggressive Affen, die nur darauf warten, dass jemand mit einem Obstkorb vorbeikommt. Den Affen ist die Religion völlig wurscht.

Wenig später kündigt sich ein Wolkenbruch an, den wir in der Polizeiwache abwarten dürfen. Wir werden hineingelassen und uns werden viele Stühle angeboten. In der Wache der übliche Stress: intensives Pressestudium und Teetrinken. Wenige Minuten später ist schon alles vorbei und wir gehen wieder raus. Wir begeben uns nochmal in den Tempelkomplex, denn es ist eine Zeremonie gegen 10:30 Uhr angekündigt. Beim Warten sehen wir eine spezielle Opferzeremonie am Eingang des Tempels. Dort ist ein Steinpodest, mit einem hüfthohen Gitter drumherum. Ringsum alles nass, innen alles voller Kokosnussschalen. Wir erfahren, warum. Ein Gläubiger nimmt eine Kokosnuss, legt ein Stück Kampfer (von Ferne sieht es aus wie ein Stück Würfelzucker) darauf und zündet das an. Er lässt es eine Weile brennen und betet. Evtl. führt er es kreisend um den Kopf, das organisiert ein beteiligter Medizinmann o.ä. Zum Schluss wirft er mit aller Kraft die Kokosnuss auf den Stein und zertrümmert sie damit und opfert sie so.

Die Zeremonie beginnt, einige wichtige Männer mit Helfern betreten eilig den Tempel. Vorher haben viele Fegerinnen die Wege gesäubert und tun das auch immerzu zwischendurch, angeleitet durch den Zermonienmeister, dem nichts recht zu machen ist. Während der Zeremonie werden von Glockenläutern Glocken geläutet, erst eine kleine, dann eine große.

Wir bekommen von unserem Fahrer und auch von Fremden gesegnetes Obst angeboten. Denn es ist nicht so, dass das Obst dortgelassen wird. Es wird nur gesegnet und dann verspeist.

Gegen 10:45 Uhr fahren wir wieder ab, auf dem Rückweg sehen wir einen sehr großen alten Elefanten, mit Pigmentstörungen am Rüssel. Ein Zeichen seines Alters. Seine Stoßzähne sind lang und haben Messingkappen. Wir fahren noch einmal kurz zum Hotel, letzte Toilettenpause. Dann geht es weiter auf eine sehr lange Fahrt zu unserer letzten Unterkunft auf unserer Reise, nach Induruwa an der Südostküste der Insel.

Während der Fahrt erzählt uns Nalaka, wie schon in den vergangenen Tagen während längerer Fahretappen, einige Geschichten, die uns das Leben in Sri Lanka sehr anschaulich machen. Er schildert z.B. die schwierige Anbahnung einer Heirat, die für alle Sri-Lanker obligatorisch ist, denn Singles sind in diesem Land praktisch undenkbar. Die meisten Ehen sind in Sri Lanka von den Familien angebahnt, entweder schon im Kindesalter oder später. Liebesheiraten sind eher selten. Er erzählt uns über das Bildungswesen im Land sowie über das (schwierige) Verhältnis von Singhalesen (die überwiegende Mehrheit, meist Buddhisten) und Tamilen (die Minderheit, meist Hinduisten). Er erwähnt auch das Kasten-System, das auf Sri Lanka praktisch existiert, aber offiziell verschwiegen wird. Auch Heiraten finden praktisch immer innerhalb derselben Kaste oder innerhalb Kasten ähnlicher Wertigkeit statt. So entsteht in unseren Köpfen ein realistisches Bild über das Land, das viele Probleme, aber auch sehr große Chancen hat. Sri-Lanker sind im Ausland als Fachleute und auch als fleißige Arbeiter hoch angesehen. Und dass die Sri-Lanker fleißig sind, haben wir auf unserer Reise sehr oft mit eigenen Augen gesehen.

Wir machen einen Mittagsstopp an einem Restaurant am Meer, mit angeschlossenem Souvenirshop. Ich kaufe dort eine schöne Mayura Raksha Maske, d.h. eine Dämonenmaske des Pfauen-Dämons, der Frieden, Zufriedenheit und Glück bringen soll. Meine Maske ist weder blau wie die meisten ähnlichen Masken und auch nicht klatschbunt, dafür in Grüntönen und eher weniger bunt. Ich finde sie auf Anhieb sehr schön. Ich zahle 2.500 Rupien, in etwa 17 Euro. Das kann gar kein Fehlkauf sein. Die Maske lässt sich zum Transport in drei Teile zerlegen und ist sehr leicht.

Weiter geht es, immer direkt an der Küste entlang mit Meeresblick. An einigen Stellen sehen wir noch immer Ruinen, die der Tsunami hinterlassen hat. Hier ist einfach kein Familienmitglied mehr übriggeblieben, der die Häuser wieder aufbauen kann. Andernorts ist der Wiederaufbau schon weit fortgeschritten und kaum Spuren sichtbar. Erstaunlicherweise haben die Palmen am Ufer offensichtlich den Tsunami gut überstanden, denn wir sehen zahlreiche alte Palmen mit dicken Stämmen, viel älter als 7 Jahre.

Unser nächster Stopp ist in Galle, einer Festungsstadt, die erst von den Portugiesen, dann von den Niederländern und dann von den Engländern genutzt wurde. Allen war bei der Landung auf Sri Lanka klar, dass dies ein Paradies ist und eine Eroberung geboten. Heute sehen wir die sehr dicken Festungsmauern, daneben eine hohe Turmuhr. Weiter ab ein Leuchtturm. Im Stadtinnern existieren eine katholische Kirche, eine Stupa und eine Moschee friedlich nebeneinander. Galle ist eine Touristenstadt, wir sehen überwiegend Touristen, wenige Einheimische.

Gegen 17:30 Uhr geht es weiter und um 19:00 Uhr kommen wir endlich in unserem Hotel „Royal Beach“ in Induruwa an. Uns erwartet eine gewaltige, beeindruckende Lobby und ein Willkommensdrink. Das Hotel ist direkt am Meer und man hat es vom Zimmer bis zum Wasser kaum 30 m weit. Auf den ersten Blick ist jedenfalls alles perfekt. Die Zimmer sind mittelmäßig, der Boden unsauber und die Bettwäsche voller Flecken, obwohl gewaschen. Ich meckere als Einziger und bekomme zumindest neue Bettwäsche. Der Boden wird als „sauber“ deklariert und bleibt undverändert. Ich lege Handtücher aus…

Mir gelingt es aber endlich, an der Hotelrezeption Geld zu tauschen. Das funktioniert zwar nur mittels Schwarzmarkt, aber ich erhalte einen akzeptablen Kurs. Vor dem Essen noch ein Bier am Strand, wo es trotz Wind viele Mücken gibt. Danach essen wir zu abend, das erste Mal gibt es kein Buffet, sondern ein festes Menü. Außer uns scheint es in dem Hotel kaum Gäste zu geben. Das Essen ist gut, auch wenn die Bedienung chaotisch und langsam ist. Die Mücken folgen uns und während des Essens werde ich ziemlich zerstochen. Vor dem Zubettgehen führe ich eine Insektensprayattacke in meinem Zimmer durch und schlafe ruhig trotz sehr lauter Brandung.

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Besser als jede Kaskoversicherung: gesegnete Früchte fürs Auto
Früchtekörbe zum Segnenlassen
Kataragama, Eingang zum Tempelkomplex
Kataragama, Stupa
Kataragama, an der Stupa
Kataragama, Kokosnuss und Kampfer
Bei Galle, Fischerboote
Galle, dicke Festungsmauern
Galle, Panorama-Blick aufs Meer
Galle, die Religionen einträchtig nebeneinander
Die eindrucksvolle Lobby des Royal Beach, Induruwa