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Nepal 2006 - Tag 10

Wanderung nach Thamu

Heute stehen wir schon 6:30 Uhr auf, schütten heißes Wasser aus der Schüssel über uns und wenig später das warme Porridge in uns hinein und legen noch ein bisschen Toast oben drauf.

Dann geht es entlang des Milchflusses, der ganz tief unter uns rauscht, Richtung Thame. Zumindest das Ziel des über 4.000 Meter hohen Ortes mit einem Wasserwerk und einem Kloster nehmen wir uns vor, ohne zu wissen, ob wir das schaffen.

Kurz hinter Namche kommen wir an einem Steinbruch vorbei, in welchem wir Arbeiter wie im Mittelalter in tiefen Erdlöchern schuften sehen. Aus diesen Steinen werden hier alle Häuser gebaut, die Arbeit geht also nicht so schnell aus. Wir sind voller Bewunderung und Staunen. Unser Reiseleiter versucht, die Situation etwas aufzuklären und macht uns klar, dass ein solcher Job in dieser Gegend immer noch tausend mal mehr wert ist als gar keiner.

Es geht weiter auf schönen Wegen, wir sehen Gemsen und Fasane und auch immer wieder Yaks. Yaks sind sehr teuer und werden nur selten als Tragetiere verwendet. Ein Yak kostet etwa so viel wie ein Kleinwagen!

Das Wetter ist wieder absolut phantastisch, wir haben tolle Sicht rundum. Jedoch ist es ohne Sonne nur knapp über 0° C. In einem kleinen Dorf trinken wir Tee und ordern schonmal das Mittagessen für den Rückweg. Die Wirtin geht auch gleich hinters Haus und erntet frischen Mangold für die spätere Gemüsesuppe. Dazu gibt es Fladenbrot und heiße Zitrone aus Sirup.

Wir wandern etwas weiter zu einem Nonnenkloster, bei dem gerade ein großer neuer Bau als Bet-Raum entsteht. Ein massiver Steinbau, teilweise sogar mit Beton gegossen. Seit vier Jahren wird gebaut und nur mit Spenden finanziert.

Eine Nonne begrüßt uns sehr herzlich und serviert uns nach kurzer Zeit Butter-Tee aus einer Thermoskanne. Butter-Tee ist aufgelöste Yak-Butter in heißem Wasser, leicht gesalzen. Das ist für die Einheimischen eine wichtige Energiequelle, für uns ist die Sache eher sehr gewöhnungsbedürftig und stellt insbesondere unsere Verdauung vor ungeahnte Probleme. Anfangs machen wir auch den Fehler und trinken schnell aus, so lange der Tee noch heiß ist (denn lauwarm ist es weit schlimmer). Doch es wird schnell nachgeschenkt...

Wir spenden noch etwas und bekommen zum Abschied lange, weiße Schals geschenkt. Diese Schals sind hier Tradition zum Abschied und sollen Glück bringen. Die Nonne verspricht außerdem, morgen für uns zu beten. Das können wir immer gut brauchen. Auf dem Rückweg zum vorbestellten Mittagessen treffen wir andere Nonnen, die von Wanderern (und auch Einheimischen) weggeworfenen Müll aufzusammeln.

Zurück im Restaurant treffen wir eine andere Hauser-Gruppe, die heute noch viel weiter will und sind skeptisch. Denn das Wetter scheint schlechter zu werden und erfahrungsgemäß geht das in den Bergen immer schneller als man anfangs denkt.

Wir schaffen es dadurch heute natürlich nicht bis nach Thame und treten dick eingepackt den Rückweg an, denn es beginnt schon kälter zu werden. Die Sonne ist weg und so ist es immer noch um die 0° C.

Gegen 14:00 Uhr sind wir wieder in Namche, inzwischen ist es richtig neblig. Wir schlendern noch durch die kleinen Geschäfte, in denen es wie in Kathmandu Plagiate aller Art gibt und gehen langsam über viele Treppen zurück ins Hotel. Allein die zurückgelegten Höhenmeter im Ort Namche selbst sind enorm.

Im Hotel angekommen, schwatzen wir noch ein wenig mit dem sehr reichen Sohn des Hotelinhabers. Erst ist Nepali, hat aber in den USA studiert und dort auch Skilaufen gelernt. Er reist stets mit dem Hubschrauber an und ist damit einer der ganz wenigen, die sich das leisten können.

Wenig später kommt eine südkoreanische Expedition zurück. Sie versuchten, den Lhotse zu besteigen, mussten aber 150 Höhenmeter vor dem Ziel wegen Sturms aufgeben. Jahrelange Vorbereitungszeit und Monate im Basislager waren so (fast) vergeblich. Entsprechen neidergeschlagen waren die Leute.

Das Abendessen ist wie immer prima mit Pommes, Hühnchen und Gemüse. Wir lesen noch ein wenig, quatschen und gehen wieder sehr früh mit unseren geliebten Wärmflaschen ins Bett.

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Gemsen in Nepal
Steinbruch bei Namche Bazar
Blick aus Thamu talwärts
Unsere Mittags-Wirtin