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Myanmar 2016/2017 - Tag 15

Mawlamyaing

Heute geht es um 8:00 Uhr am Hotel los, nachdem ich ein sehr gutes Frühstück hatte. Der Frühstücksraum ist allerdings brutal gekühlt und nur mit Jacke zu ertragen. Vor dem Frühstücksraum steht ein Stehpult mit einem Schild "Breakfast Voucher Counter" und man muss seinen Breakfast Voucher hier abgeben, den man beim Einchecken bekam. An der Rezeption muss ich mich noch beschweren, denn mein Zimmer war vom vorherigen Gast nicht gereinigt. Überall waren Haare! Und der Schrank stinkt innen unerträglich. Mal sehen, was sie getan haben, wenn ich wiederkomme.

Im Auto geht es eine ganze Strecke Richtung Süden auf gut ausgebauten Straßen. Wir besuchen zuerst das Pa-Auk Tawya Meditationszentrum. Es ist eine kleine Stadt für sich und besteht aus vielen kleinen Hüttchen für (ca. 1000) Meditierende und dazu alle möglichen Wirtschaftsgebäude, Wohnungen für Mönche und natürlich Gebetsräume und Pagoden. Wir sind unter anderem hier, weil mein Guide hier evtl. eine solche Hütte als Spende kaufen möchte. Bevor er sich dazu erkundigt, besichtigen wir die Anlage, die große und sehr moderne Küche und einen großen Meditationsraum, in dem gerade eine ganze Menge Leute still meditieren. Die meisten sitzen unter kleinen Moskitonetzen und haben sich in diesem Minizelt mit Kissen, Büchern etc. eine Minieinrichtung gebaut. Grundfläche ist vielleicht 1x1 Meter. In der vorderen Reihe ist ein Mönch eingeschlafen und schnarcht leise. Unter den Meditierenden sind auch einige wenige Europäer bzw. Amerikaner.

Wir sehen, während wir durch die Anlage spazieren, wie gerade aus einem Gebäude große Tabletts mit Essen herausgetragen werden und folgen den Leuten zu einem kleinen Gebetsraum. Dort werden die Speisen von einem alten Mönch auf einem Tisch vor einer Buddha-Statue aufgebaut. Danach lassen sich alle Anwesenden nieder und beten nach, was der Mönch vorbetet. Die Speisen werden zuerst Buddha angeboten, nachdem sie dann gegessen werden. Die Speisen bleiben auch nach dem Gebet noch einige Stunden in diesem Raum, bevor sie wieder abgeholt werden. Ich darf beim Beten in dem Raum bleiben und kauere still in einer Ecke. Es ist eine sehr schöne Stimmung und man merkt, dass die Leute das Ganze mit voller Überzeugung tun, auch wenn es sicherlich eine alltägliche Aktivität ist. Mit einer Gruppe wäre das sicherlich nicht möglich gewesen, weil für alle gar kein Platz gewesen wäre. So bin ich einfach dankbar, dass ich das einmal miterleben durfte! Überhaupt kommen hierher nur ganz wenige Touristen.

Mein Guide besucht noch eine Art Buchhaltung oder Verwaltung, wo die Spenden verwaltet werden, von dem das Zentrum betrieben wird. Er erkundigt sich nach seiner Hütte, hat dabei aber heute keinen Erfolg. Er muss noch einmal herkommen.

Weiter geht es mit dem Auto, bis wir von der Hauptstraße in eine Nebenstraße abbiegen. Der Straßenrand ist gesäumt von einer sehr langen Reihe von sicherlich Hunderten Mönchsstatuen, teils mit unterschiedlich modellierten Gesichtern. Am Ende der Straße erwartet uns (angeblich) die größte liegende Buddha-Statue der Welt, der Win-Sein-Buddha. Und man muss sagen, dass sie tatsächlich extrem groß ist, ca. 200 Meter Länge sollen es sein. Über eine Treppe und eine Brücke kann man zur Statue laufen, die innen begehbar ist und dort verschiedene Szenen aus Buddhas Leben enthält. Diesmal aber nicht als Gemälde, sondern als lebensgroße Figurengruppen! Alles ist ganz neu gebaut und innen ist noch nicht alles fertig. Auch die Rückseite des Buddha ist noch nicht vollständig. Im Innern gibt es Stände, wo man verschiedene Kacheln aus Keramik kaufen kann, aus denen die Außenhülle des Buddhas fertiggestellt wird. Z.B. braunrote Kacheln für den Umhang oder weiße Kacheln für die Haut.

Gegenüber der Statue am gegenüberliegenden Berghang ist eine weitere, riesige Buddha-Statue im Rohbau. Ein monströses dunkelgraues Betongerippe ist schon fast fertig und sieht aus wie ein großer Wohnblock, wenn nicht an einem Ende ein erkennbarer Buddhakopf wäre. Diese Statue wird noch größer, nämlich 250 Meter lang!

Weiter geht es nach Süden zum Soldatenfriedhof Thanbyuzayat. Hier liegen viele alliierte Soldaten aus dem 2. Weltkrieg, die von 1939 bis 1945 im Kampf gegen die Japaner fielen. Es ist ein peinlich gepflegtes Gelände mit englischem Rasen. Die Tafeln zeigen, wie jung die Soldaten waren, teils unter 18. Einige Gräber sind außerhalb der üblichen Reihen angeordnet und sind für muslimische Soldaten Richtung Mekka gerichtet.

Wir fahren noch weiter zur sogenannten "Death Railway" oder auch "Burma Railway" und besuchen ein Ausstellungszentrum. Im 2. Weltkrieg wurde hier eine lange Eisenbahnlinie zwischen Burma und Thailand gebaut, um Kriegsgerät zu transportieren. Die Eisenbahnlinie sollte existierende andere Linien miteinander verbinden und führte ca. 415 km durch teils sehr unwegsames Gelände. Zum Bau wurden mehr als 240.000 Menschen rekrutiert und kamen aus allen Bereichen. Zivilisten, Einheimische, Soldaten, alle die irgendwie arbeitsfähig waren. 13.000 Kriegsgefangene und vermutlich 100.000 Einheimische kamen während der Bauarbeiten um. Die Bahnlinie wurde schließlich fertiggestellt und wurde bis zum Ende des Krieges betrieben. In Teilstrecken wird die Bahnlinie in Thailand bis heute benutzt. Die Überquerung des Mae Nam Khwae Yai-Flusses während der Bauarbeiten ist ja auch Gegenstand des bekannten Hollywood-Films "Die Brücke am Kwai".

Wir fahren zurück nach Mawlamyaing und gehen dort in der Nähe meines Hotels beim Inder essen, nachdem das Restaurant, wo mein Guide eigentlich hin will, wegen Silvester geschlossen ist. Wir essen wieder einmal hervorragend ganz viele verschiedene Dinge. Es ist ein kleiner Familienbetrieb und der Chef patrouilliert durch den kleinen Raum, die Frauen bedienen eifrig.

Danach besichtigen wir noch mehrere Kirchen. Zuerst kommen wir zu einer Baptistenkirche, die ganz frisch renoviert ist. Ansonsten ist sie unspektakulär. Nebenan ist eine Gewerbeschule, eine Tür steht offen und ich sehe mehrere Schneider-Lehrlinge an alten Singer-Nähmaschinen mit Fußantrieb üben. Woanders werden Schnittmuster bearbeitet. Alles sehr ruhig und alle sind konzentriert. Dass ich Fotos mache, wird natürlich trotzdem bemerkt.

Danach geht es zu einer katholischen Kirche und schließlich zu der Baptistenkirche von Adoniram Judson, der die Kirche 1827 gründete und die Bibel ins Burmesische übersetzte. Das war sicherlich eine schwere Aufgabe, wenn man die sehr großen Unterschiede von lateinischen Sprachen zum Burmesischen betrachtet. Die Kirche ist verschlossen als wir ankommen, aber nach einer kurzen Suche finden wir eine nette Nachbarsfrau, die uns hineinlässt. Wir sehen in der nicht sehr gut erhaltenen Kirche innen alles hergerichtet für heute Abend, wo hier durchaus noch eine Messe stattfindet. Das originale Klavier von Reverent Judson steht auch noch in der Kirche.

Zum Abschluss des Tages fahren wir noch mit dem Boot zum Gaung-Say-Island, übersetzt "Haarwasch"-Insel, von Touristenguides verballhornt in Shampoo-Island. Hier wuschen sich früher Könige und andere Herrscher die Haare im Fluss, um dadurch Glück und Gelingen zu erreichen. Die Insel ist vollgebaut mit kleinen Pagoden mit teils abenteuerlichen Formen und teilweise auch anderen Religionen gewidmet. Ausgedacht hat sich das ein mittlerweile verstorbener Mönch. Vor der kurzen Rückfahrt mit dem Boot unterhält sich mein Guide mit einem Mönch am Ufer, der in der Zwischenzeit mit Bananen die Fische füttert. Dabei erscheinen im Wasser wirklich große, karpfenähnliche Fische, die die Bananen mit Leichtigkeit komplett verschlingen. Zuvor hatten wir auf der Insel bereits Kaninchenställe gesehen, in denen als Futter auch Bananen lagen, die die Kaninchen bereitwillig mampften.

Wegen der ausgefallenen Siesta bin ich heute schon 16:45 Uhr im Hotel und habe etwas Freizeit. Mein Zimmer ist zwischenzeitlich super sauber gemacht und der Schrank riecht desinfiziert und viel besser! Nach Einbruch der Dunkelheit gehe ich stadteinwärts zum Food-Market am Flussufer und esse dort eine riesige Portion Wok-Nudeln mit Gemüse. Frisch und voller Schwung gemacht war schon das Zuschauen ein Erlebnis. Nicht so schön ist (wieder einmal) der viele Müll, der überall rumfliegt. Meinen Müll stecke ich in einem der seltenen Mülleimer am Platz, der ansonsten (wenig verwunderlich) leer ist... Ich kann sogar ein Bier kaufen, was aber anscheinend halb illegal ist. Für einen Wucherpreis erhalte ich die Flasche aus einer Kühlkiste schnell herausgereicht aus einem LKW am Straßenrand und in einer schwarzen Plastiktüte versteckt. Nur nicht offen zeigen!

Zurück im Hotel ist die dortige Party schon im Gange und (sicherlich) drittklassige Schlagersternchen bringen live Cover-Songs aus den 1970ern zum Vortrag. Ich versuche trotzdem zu schlafen.

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Pa-Auk Tawya Meditationszentrum
Pa-Auk Tawya Meditationszentrum, Meditationsraum
Pa-Auk Tawya Meditationszentrum, Zeremonie
Pa-Auk Tawya Meditationszentrum, Zeremonie
Auf dem Weg zum Win-Sein-Buddha
Win-Sein-Buddha
Win-Sein-Buddha, Baustelle gegenüber
Win-Sein-Buddha, Under Construction
Soldatenfriedhof Thanbyuzayat
'Death Railway' oder auch 'Burma Railway'
Baptistenkirche in Mawlamyaing
Baptistenkirche von Adoniram Judson
Baptistenkirche in Mawlamyaing
Gaung-Say-Island, Nonne in ihrer Wohnung
Gaung-Say-Island
Letzter Sonnenuntergang 2016 in Mawlamyaing