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Myanmar 2016/2017 - Tag 9

Inle-See

Zur Halbzeit meiner Reise kommt das Boot gegen 8:45 Uhr zum Hotel geknattert. Das Frühstück war sehr gut und es gab sogar ganz hervorragende Pancakes, das erste (und letzte) Mal auf dieser Reise!

Vor den Hotels liegt im See jeweils ein breiter Ring aus Seerosen-ähnlichen Schlingpflanzen und die Bootsführer müssen hier einiges Geschick anwenden, um einen Durchstich zu finden und auch so mit Schwung einzufahren, dass sie innerhalb des Dickichts die Schiffsschraube aus dem Wasser heben können, um sich nicht zu verfangen.

Wir fahren zuerst quer über den See zu einem großen Markt, wo es praktisch alles gibt. Er ist ein ganz normaler Markt, also nicht nur für die Touristen. Wir sehen neben Verkaufsständen für alles Mögliche, als Lebensmittel, Textilien, Möbel, Spielzeug, Kunstgewerbe, auch eine Werkzeug-Aufbereitung, wo nicht nur geschliffen, sondern auch geschmiedet wird. Alles läuft dort mittelalterlich im Handbetrieb.

Danach geht es weiter in eine Weberei, wo die in Myanmar verbreitete Lotus-Seide verarbeitet wird. Dabei handelt es sich um feinste Fasern der Lotosblume, die ja hier am Inle-See sehr häufig wächst. Dazu wird aus dem Stiel der Pflanze lange Fasern herausgezogen und dann weiter verarbeitet wie auch andere Fasern. Die Stoffe sind dann meist Mischgewebe. Wir sehen Frauen an Webstühlen in mehrstöckigen Holzgebäuden. Die Stockwerke haben jeweils eine sehr niedrige Deckenhöhe. Textilien aus reiner Lotos-Seide sind sehr selten und sehr teuer.

Weiter geht es nach einer kleinen Pause mit den Booten zur Zigarrenfabrik. Dort werden Zigarren und Zigarillos in Handarbeit hergestellt und teilweise sehr schön verpackt in Lackwaren verkauft. Der Tabak wird dabei meistens mit verschiedenen Zusatzstoffen aromatisiert, wobei jedoch alle Zusatzstoffe natürlichen Ursprungs sind. Eine Mischung umfasst z.B. eine Mischung aus Anis, Tamarinde und Rum und ergibt ein süßliches Aroma. Unsere Raucher in der Gruppe kaufen etwas und sind ganz zufrieden.

Im Anschluss fahren wir zu der sehr großen Hpaung Daw U-Pagode. Zentrum dieser Pagode sind 5 kleinere Buddha-Statuen. Diese werden (wie wir schon einmal sahen) seit vielen Jahren von Pilgern mit kleinen Blattgoldblättchen beklebt, um ihr Karma zu verbessern und evtl. auch Wünsche erfüllt zu bekommen. Daher sind die 5 Statuen mittlerweile unter einem dicken Goldpanzer verschwunden und nur noch rudimentär als Buddhas erkennbar. Es sind eigentlich goldene "Schneemänner". Wie hier üblich dürfen wieder nur Männer zu den Statuen. Diese Statuen machen jährlich eine Rundreise über den See durch die anliegenden Dörfer. Die Reise dauert etwa 3 Wochen und die Buddha-Statuen werden dabei mit einer sehr großen und prachtvollen Barke transportiert, die mit anderen Schiffen und Booten gezogen wird. Die Reise und die Statuen haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich, woraus sich diese Tradition begründet. Die Statuen wurden wohl von einem Mon-König hierher gebracht, gingen verloren, wurden wiedergefunden und dann ausgestellt. 1965 verunglückte die Barke während der Prozession in einem Sturm und erst nach einiger Zeit waren die 5 Statuen wieder an ihrem Platz.

Wir streifen durch den Tempel, auch ich klebe mit viel Mühe und Ungeschick ein Blattgoldplättchen auf einen Buddha und wir sehen später auch die Barke mit einem Bug in Form eines Vogels in einer eigenen Halle auf ihren nächsten Einsatz warten. Es ist wirklich ein riesiges Schiff und man kann sich vorstellen, wie eindrucksvoll diese Prozession jedes Jahr ist.

Von der Pagode geht es zum Mittagessen und danach, weil wir vergaßen, die Barke zu besichtigen, nochmal zurück zur Pagode. Vom Boot aus bestaunen wir dann nachträglich die Barke.
Weiter geht es mit den Booten relativ lange über einen verschlungenen Flussverlauf bis nach "In Dein". Dort stehen auf einem Hügel über 1000 große und kleine Pagoden rund um die Hauptpagode Shwe In Dein in sehr unterschiedlicher Bauweise und Erhaltungszustand. Hinauf führt ein langer, überdachter Gang mit Aberdutzenden Verkaufsständen am Rand. Wir sind hier fast die einzigen Besucher, sodass sich die Verkäufer tödlich langweilen. Die Überdachung hat leider den Nachteil, dass man kaum die Pagoden sehen kann. Andererseits ist die Überdachung gut gegen die heiße Sonne. An einer gut geeigneten Stelle verlassen wir den Gang und gehen direkt durch die hier sehr verfallenen, ziegelgemauerten Pagoden. In der Spätnachmittagssonne haben wir wieder sehr schönes Fotolicht und wir laufen langsam nach oben, wo wir schon Hunderte Spitzen und Türmchen von vielen weiteren Pagoden sehen. Ich gehe noch ganz nach oben und schaue mir den zentralen Tempelbereich an. Auch hier außer uns ganz wenige Besucher und alles ist sehr ruhig.

Wir laufen den langen Ganz zurück, die Verkäufer packen schon ein. Zurück an der Bootsanlegestelle warten wir etwas, bis unsere Boote richtig positioniert sind und steigen wieder ein. Wieder durch die Flusskurven zurück, am Ufer ist schon Feierabend und die Bauern waschen sich nach getaner Arbeit im Fluss, der jedoch eine ziemliche Dreckbrühe ist. Frauen waschen hier auch Wäsche, der Gewinn an Sauberkeit darf bezweifelt werden...

Unser Programm ist aber noch nicht zuende. Auf dem See verläuft unsere Fahrt durch die sogenannten "schwimmenden Gärten". Dafür hat man schwimmende natürliche Ansammlungen von Seerosen oder auch Lotospflanzen verwendet, um darauf Gemüse anzubauen. Diese schwimmenden Inseln wurden zusammengestellt zu langen schwimmenden Beeten, sodass eine Art Plantage entsteht. Wir sehen viele Tomaten, Gurken und Bohnen.

Danach fahren wir noch zu dem Kloster "Nga Phe Chaung". Ein sehr schönes altes Kloster, komplett aus Holz mit 5 Buddha-Statuen aus Bambus. Früher war es bekannt als Kloster der springenden Katzen, weil die Mönche einige Katzen trainiert hatten, durch Ringe zu springen. Das gibt es heute nicht mehr, sondern man kann ungestört die großen Buddha-Statuen besichtigen.

Wir fahren eine längere Strecke über den See zurück zum Hotel durch die letzten Sonnenstrahlen und sehen auch die berühmten Einbein-Fischer. Sie stehen mit einem Bein auf ihrem Boot, mit dem anderen Bein umklammern sie das fast senkrecht stehende Ruder und bedienen mit dem einen Bein dieses Ruder so, dass es gleichzeitig als Vortrieb und Steuerung dient. Beide Hände haben sie frei für das Netz. Sie müssen jedenfalls sehr geschickt dabei sein.

Zurück im Hotel sind wir ca. 17:15 Uhr und wir trinken als Sundowner noch etwas Weißwein auf der Hüttenterrasse. Aber die Mücken sind heute ziemlich aktiv.

Zum Abendessen gehen wir ca. 18:30 Uhr und erleben dort eine klassische burmesische Situation. Uns wird die Speisekarte vorgelegt und da wir auch nichts anderes wissen, bestellen wir nach Lust und Laune. Wir gehen davon aus, dass wir normal bezahlen. Als die Bestellung getätigt ist, stellt sich heraus, dass das Abendessen inklusive ist, aber nicht dass, was wir bestellten. Ob wir denn das Georderte abbestellen wollen? Wir sagen ja, bekommen aber trotzdem alles zusammen, also zwei Mal Abendessen! Wir essen, bis wir nicht mehr können, wobei alles sehr lecker ist. Ich esse Club-Sandwiches, frittiertes Gemüse, Gemüsesuppe und auch noch einen Karamelpudding. Es hätte noch mehr gegeben...

Später checken wir an der Rezeption aus und erfahren, dass sogar gestern (Heiligabend) die Getränke inklusive waren. Wir hatten ja 2 kleine Flaschen Rotwein (wieder Red Mountain, Syrah 2014, halbwegs trinkbar), ja kein billiger Spaß in Myanmar.

Nach dem heutigen Monsterprogramm und mit einer kleinen Erkältung bin ich schon 21:00 Uhr im Bett.

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Morgens auf dem Inle-See
Parkplatz vor dem Markt
Auf dem Markt
Bei den Lotos-Weberinnen
Lotos-Seide
In der Zigarrenmanufaktur
Hpaung Daw U-Pagode
Hpaung Daw U-Pagode, vergoldete Buddhas
Hpaung Daw U-Pagode, Barke
Shwe In Dein Pagode
Shwe In Dein Pagode
Inle-See, schwimmende Gärten
Nga Phe Chaung Kloster, innen
Nga Phe Chaung Kloster, innen
Inle-See, Einbein-Fischer
Inle-See, Einbein-Fischer
Inle-See, Sonnenuntergang