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Myanmar 2016/2017 - Tag 6

Bagan

Heute dürfen wir endlich mal später aufstehen und wir können in Ruhe frühstücken. Am Buffet gibt es Rundumbetreuung, wobei es deutlich zu viel Personal für die wenigen Gäste gibt. Uns wird erklärt, dass dies kurz vor und während Weihnachten normal ist, obwohl Hochsaison ist. Der Ansturm beginnt erst nach Weihnachten. Der Toast wird einem getoastet, Warten ist nicht gern gesehen. Dasselbe am Eierbrater. Bitte nicht stehenbleiben und warten, sondern hinsetzen! Alles wird gebracht, der Toast aber nur vom Toastkellner und die Eier vom Eierkellner! Alle sind dabei ausgesucht freundlich und sehr geduldig. Dagegen ist die Dusche im Hotel ein Problemfall. Durch den schwankenden Wasserdruck und sicherlich noch andere Einflüsse schwankt die Wassertemperatur extrem zwischen fast kochend und eiskalt, ohne, dass man irgendwas regelt. Man kann nur die Zwischenphasen zwischen diesen Extrema nutzen... Übrigens haben auch die Gruppenmitglieder in dem anderen, teureren Hotel dasselbe Problem...

Gegen 8:30 Uhr geht es mit dem Bus los und wir besichtigen zuerst eine sehr große Pagode, deren Namen ich nicht kenne. Über sehr steile Treppen mit hohen Stufen, wie in Mexiko an den Pyramiden, steigen wir auf. Es gibt mehrere Ebenen mit jeweils einem umlaufenden Bereich. Wir steigen auf die oberste Etage und genießen dort die tolle Aussicht auf die umliegende morgendliche Landschaft mit Hunderten Pagoden aller Art, Größe und Zustand. Leider gab es im September 2016 das letzte schwere Erdbeben hier und es wurden zahlreiche Pagoden, insbesondere deren Spitze, beschädigt. So sieht man zahlreiche Abdeckplanen. Wir erfahren auch, dass Bagan bisher kein UNESCO Weltkulturerbe ist. Eigentlich unglaublich, wenn man all da sieht. Es könnte daran liegen, dass während der Militärdiktatur viele Pagoden unfachmännisch repariert wurden, beispielsweise mit Beton anstatt der originalen Ziegeln. Die vielen Pagoden (aktuell wohl mehr als 2.000!) entstanden über die Jahrhunderte, weil viele lokalen Machthaber oder auch andere Leute mit ausreichend finanziellen Mitteln Pagoden bauten, um ihr Karma zu verbessern. So ist auch die Vielzahl der Bauformen und unterschiedlichen Ausstattung zu erklären.

Wir fahren weiter und besichtigen zuerst die Shwezigon Pagode, die mit ihrem schönen Umfeld und ihrer Größe etwas an die Shwedagon Pagode in Yangon erinnert, aber natürlich viel kleiner ist. Der große obere Kegel wird allerdings gerade neu vergoldet und ist verhüllt.

Nach und nach besichtigen wir weitere größere und allesamt sehr eindrucksvolle Pagoden und Tempel, z.B. den Htilominlo Tempel und den Ananda Tempel. Beide werden gerade aufwendig restauriert und wir sehen jede Menge der kunstvollen Bambusgerüste, die ja stets nur mit Bast gebunden sind und ansonsten keine Nägel oder Schrauben zur Befestigung haben. Im Ananda Tempel können wir vier sehr große stehende Buddha-Statuen bewundern, die nach unterschiedlichen Stilen geschaffen sind. Einer davon ist aufgrund eines Baugerüstes leider nur teilweise zu bewundern.

Nach dieser Besichtigungstour mit sehr viel ungewohntem Barfußlaufen (und das auch noch über Baustellen) gehen wir unterwegs Mittagessen und sind ziemlich geschafft.

Danach geht es weiter zu einer Lackfabrik, wo wir die Herstellung der bekannten burmesischen Lackwaren erklärt bekommen. Basis ist stets ein Konstrukt aus Bambusstreifen oder aus Bambusfasern. Diese werden nach und nach mit mehreren, ggf. auch sehr vielen (z.B. 24) Schichten Lack versehen und jeweils zwischendurch längere Zeit in einem Keller getrocknet und danach angeschliffen. Der Lack ist ein Baumharz des Lackbaums, der in Myanmar der Sorte Melanorrhoea Usitata ist. Das Baumharz ist zuerst klar und wird unter Lufteinfluss sehr schnell schwarz. Es ist wohl eine Wasser-in-Öl-Emulsion. Auf die letzte schwarze hochglänzende Lackschicht können weitere farbige Lackschichten aufgemalt werden oder auch Blattvergoldungen oder auch Goldfarbe. Wir sehen auch die Anwendung eines Waschverfahrens, bei dem zuerst in Negativform das Motiv mit einem abwaschbaren Lack aufgemalt wird. Darauf folgt vollflächig die Goldfarbe. Nach dem Trocknen der Goldfarbe wird der Gegenstand in Wasser getaucht, wobei der Waschlack zusammen mit der dort vorhandenen Goldfarbe abgewaschen wird. Übrig bleibt das positive Motiv in Goldfarbe. Je nach Anzahl der Lackschichten sind die Waren teilweise sehr teuer, aber auch wirklich sehr schön und geschmackvoll. Ich kaufe aber trotzdem nichts.

Danach gibt es eine kurze Verschnaufpause im Hotel bis 15:30 Uhr, als es wieder mit dem Bus losgeht und wir wieder mit Pferdekutschen fahren. Es geht über staubige Wege quer durch das Pagodengebiet bei wunderbarem Spätnachmittagslicht. Es sind sehr viele Kutschen unterwegs und wir stehen mehrmals im Stau. Etwas sehr touristenmäßig... Ziel von allen ist eine hohe Pagode, von der man sehr schön den Sonnenuntergang beobachten kann. Es ist dort die Hölle los! Sogar große Reisebusse stehen hier. Der Zugang zur oberen Ebene erfolgt über eine sehr schmale, stockdunkle Treppe im Innern der Pagode. Hoch geht es noch leicht. Wir schauen in Ruhe den Sonnenuntergang an und machen sehr schöne Fotos. Dann entschließen wir uns zum frühzeitigen Aufbruch, um den großen Run zu umgehen. Unser Guide hält uns etwas zurück, für uns unverständlich. Denn das Resultat ist, dass wir wirklich im großen Stau enden und tatsächlich lange brauchen, bis wir wieder unten sind. Danach fahren wir mit dem Bus zurück zum Hotel. Auf Verdacht gehen wir zum Essen in die andere Filiale des Restaurants "Black Rose", weil der Rest der Gruppe erzählte, dass sie gestern dort waren. Wir haben Glück und wir treffen alle anderen und haben (endlich mal) einen gemeinsamen Abend mit interessanten und lustigen Gesprächen. Zurück im Hotel sind wir gegen 22:30 Uhr, dort ist gerade Stromausfall. Grund genug, ins Bett zu gehen.

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Erster Ausblick auf Bagan am Morgen
Panorama über Bagan am Morgen
Shwezigon Pagode, Abdeckung für Neuvergoldung
Shwezigon Pagode, Rundgang
Htilominlo Tempel, Eingang
Htilominlo Tempel, Detail innen
Htilominlo Tempel, außen
Ananda Tempel, Außenansicht
Ananda Tempel, außen, Detail frisch restauriert
Ananda Tempel, Goldener Buddha 1/4
Ananda Tempel, Goldener Buddha 2/4
Ananda Tempel, Goldener Buddha 3/4
Ananda Tempel, Goldener Buddha 4/4, hinter Baugerüst
In der Lackwarenmanufaktur
Spätnachmittags durch Bagan, mal idyllisch
Spätnachmittags durch Bagan, mal im Stau
Spätnachmittags durch Bagan, im Touristenwahnsinn
Bagan, Sonnenuntergang