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Mexico 2008/2009 - Tag 15

Besichtigung Ruinen von Calakmul, Reisetag Calakmul - Laguna de Bacalar

Wir treffen uns schon um 5:00 Uhr am Bus und fahren in der Dunkelheit los nach Calakmul. Die Nacht aber noch kürzer,  weil auf dem Hotelgelände schreiende Kinder und die ebenso schreienden Eltern die Nacht zum Tag machten.

Auf dem Weg holen wir unseren Führer Fernando aus dem Camp Oxte’tun von gestern ab und fahren zusammen mit einer von ihm mitgebrachten Picknickkiste weiter immer tiefer in den Urwald. Die Straße ist gut, wird aber immer enger, je näher wir Calakmul kommen. Wir müssen ab und zu scharf bremsen, da verschiedenste Tiere in der aufkommenden Dämmerung den Weg kreuzen. Mehrere große und schöne Pfauentruthähne und einen Fuchs sehen wir. Leider keinen Jaguar, wie mehrere Besucher in den Tagen zuvor.

Nach etwa 1 Stunde kommen wir an, wir sind natürlich die ersten und das Gelände ist noch nicht offiziell geöffnet. Da wir aber auf dem Weg auch einen Arbeiter mitnahmen, öffnet der uns die Tore. Mittlerweile ist es hell und wir frühstücken erstmal die Picknickkiste leer. Quesadillas mit Salsasoße, Bananen, Kaffee, Müesliriegel.

Dann geht es los, wir sehen beeindruckende Bauten, die nur ganz wenig rekonstruiert, d.h. neu gemauert wurden. Das meiste steht da wie gefunden. Nur wenig wurde etwas zurecht gerückt oder leicht gegen weiteren Zerfall gesichert. Wir klettern auf eine der großen Pyramiden und schauen über das Blätterdach des Urwald, sehen jedoch wenig, weil noch starker Nebel herrscht. Wir probieren dass später noch einmal. Vorher beobachten wir eine Brüllaffenfamilie in den Bäumen, mal spielend und mal dösend, je nach Alter und alle diesmal nicht brüllend. Auch grüne Papageien und Kolibris auf Nektarsuche sehen wir. Auf dem Weg vor uns liegen plötzlich zwei große schöne Federn eines Fasans (einem Ocofaisan, sehr viel größer als Fasane bei uns). Ich hebe sie auf und will sie nach eingehender Betrachtung wieder weglegen, da sagt Fernando, dass ich die Feder doch mitnehmen muss, weil der Dschungel sie mir gab und ich das Geschenk annehmen muss. Das bringt Glück! Also nehme ich die Feder mit und schaffe es auch, sie unbeschadet bis nach Hause zu transportieren! Die andere Feder geht leider bei unserem Marsch durch die Anlage wieder verloren, schade.

Calakmul heißt in der Maya-Sprache „zwei Berge“, weil der erste europäische Forscher eben wie wir auf eine der Pyramiden stieg und daneben zwei Bergkuppen glaubte zu erkennen und sagte „Ich sehe zwei Berge.“ Dabei waren es zwei andere, überwachsene Pyramiden. Calakmul ist aber viel größer und ist die größte Maya-Ausgrabungsstätte, die bisher gefunden wurde mit über 6.750(!) bekannten Gebäuden. Nur wenige Prozent der Fläche sind bisher erschlossen, in der Stadt sollen bis zu 66.000 Menschen gelebt haben. Calakmul wurde aber schon weit vor dem Eintreffen der Spanier verlassen. Auf eine der anderen hohen Pyramiden konnten wir auch noch zum Schauen und Fotografieren steigen. Wir bekommen viel erklärt über die Bauwerke, deren Anordnung um einen großen Platz herum, und ihre Funktion als Tempel oder Wohngebäude für die Herrscher. Eine freie Fläche am Wegesrand ist ganz ohne Bäume und war einmal ein Wasserauffangbecken der Maya. Sie pflasterten ein flaches Becken mit Steinen aus, ca. 300 m2 und setzten darin Krokodile aus. Krokodile haben die Angewohnheit (so wird uns erklärt), Undichtigkeiten in ihrem heimischen Wasserreservoir selbst abzudichten, damit nichts abfließt. Diese Klempner-Krokodile waren also eine prima Hilfe für die Maya. Auch Gräber wurden nach der Entdeckung der Hauptgebäude gefunden, teils reich ausgestattet. Calakmul ist seit 2002 Weltkulturerbe der UNESCO.

Nachdem später die ersten (lauten) Besucher gegen 10:00 Uhr auf dem Gelände erscheinen und wir in ihnen die laute Familie von gestern Nacht erkennen, verlassen wir fluchtartig das Gelände. Wir hatten aber auch alles gesehen, was für uns erreichbar war.

Zurück im Camp Oxte’tun essen wir noch einmal, es gibt wieder riesige Portionen, diesmal einen Kartoffel-Gemüse-Auflauf, der sehr lecker ist. Danach wieder ins Hotel, Sachen packen. Denn gegen 13:30 Uhr geht unsere Reise weiter Richtung Laguna de Bacalar. Vorher klären wir noch die Frage des Reifenluftdrucks. Unser Reiseleiter Yves, der ja die letzten Tage fuhr, klagte über ein in Kurven schwimmendes Fahrgefühl. Ich sage zu ihm, dass doch unser Fahrer am Anfang der Reise einmal Luft aufpumpte an einer Tankstelle. Nach einige Diskussionen stellt sich heraus, dass unser eigentlicher Fahrer verschiedene Zahlen und Einheiten im Auto-Handbuch verwechselte. So fuhren wir die ganze Zeit anstatt mit 62 psi nur mit 35 psi herum. Fast ein Platten auf allen 4 Rädern und nicht ungefährlich.

Auf der Fahrt finden wir endlich eine Tankstelle mit Luftdrucksäule und korrigieren endlich diesen Fehler. Ansonsten ist die Fahrt aufgrund ewig gerader und langer Straßen recht langweilig und wir haben Zeit, die Erlebnisse in Calakmul Revue passieren zu lassen.

An der Laguna de Bacalar kommen wir gegen 16:00 Uhr an, also noch in Helligkeit und begutachten das Hotel „Hotelito El Paraiso“, direkt am Wasser, quietschgelb und quietschblau angestrichen, sodass es fast aussieht wie eine riesige Edeka-Filiale. Die Zimmer sind ungemütlich und steril, aber sehr sauber, mit Ventilator, Kühlschrank und Fernseher. Der Mexikaner mag das wohl so.

Ein paar Häuser weiter in einem Restaurant trinken wir einen Kaffee, aber es ist schrecklich. Lauwarmer Nescafe mit zuviel Kondensmilch, dazu schreckliche Bedienung. Wir merken, dass wir uns langsam den touristischen Zentren von Mexico nähern und es aus ist mit der bisherigen ländlichen Idylle mit viel Freundlichkeit und Qualität.

Wir erleben noch eine sehr schöne Abend- und Sonnenuntergangsstimmung am Ufer und laufen gegen 19:00 Uhr gemeinsam etwa 20 Minuten zum Restaurant „Los Aluxes“ (Aluxes sind kleine, meist unsichtbare Zwerge lt. Maya-Mythologie) stadtwärts. Das Essen und auch das Ambiente sind sehr gut. Ich esse Hähnchen mit gegrillten Kartoffeln und Zwiebeln. Nach dem Rückwärtsspaziergang mit einem herrlichen Sternenhimmel über der Lagune und lauer Abendluft gehen wir ins Bett.

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Nach Calakmul in der Finsternis
Calakmul, Übersichtskarte
Calakmul, Pfauentruthahn
Calakmul am Morgen
Calakmul, noch sehr neblig über den Wipfeln
Calakmul, Hauptpyramide
Calakmul, Blick zur Nachbarpyramide, sich lichtende Nebel
Calakmul, grüner Papagei
Calakmul, endlich Sonne!
Calakmul mit namensgebenden 'zwei Bergen'
Calakmul
Laguna de Bacalar, Hotelito de Paraiso
Laguna de Bacalar, Sonnenuntergang
Laguna de Bacalar, Sonnenuntergang