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Mexico 2008/2009 - Tag 10

Reisetag San Cristóbal de las Casas - Río Lacantún, Kajaken

Schon 5:00 Uhr aufstehen und die letzten Dinge in die Richtige der Taschen packen. Wir treffen uns 6:00 Uhr an der Hotelrezeption, draußen dicker Nebel und Dunkelheit. Erst etwa 6:45 Uhr kommt unser Bus, mit dem wir zum Kajaken auf dem Fluss „Lacantún“ fahren. Heute übernimmt die Agentur Explora aus San Cristobal de las Casas und unser Guide Alejandro. Im Bus ist schon eine vierköpfige mexikanische Familie, der Grund der Verspätung, denn sie kamen nicht in die Pötte. Unser Gepäck wird auf dem Dachgepäckträger verstaut und los geht’s. Alejandro fährt viel besser als unser bisheriger Fahrer, das merkt man sofort: flott und dennoch sicher. Dazu ein toller Sound im Bus, d.h. gute Musik plus gute Akustik.

Unterwegs stoppen wir erst zu einem Frühstück an einer Tankstelle mit Restaurant und essen recht gut und genießen guten Kaffee und danach noch einmal in Tenám Puente, einer kleiner Ausgrabungsstätte, die zwar klein ist, aber recht malerisch liegt. Wir besteigen eine Pyramide und Alejandro macht uns dort oben mit den Grundzügen der Maya-Religion vertraut. Danach besteht die Welt aus mehreren Ebenen, dem Himmel, der Erde und der Unterwelt. Diese Ebenen liegen übereinander, an den Ecken der (als Rechtecke gedachte) Ebenen stehen Bäume als Verbindungselemente dieses Grundgerüstes. In der Mitte steht der Weltenbaum Wacah Chan (ein riesiger Kapokbaum), dessen Mitte die Menschen sind, dessen Äste den Himmel tragen und dort hin reichen und dessen Wurzeln in die Unterwelt oder das Totenreich ragen. Der Himmel besteht wiederum aus 13 Stufen oder Ebenen, das Totenreich aus 9 Stufen oder Ebenen. Diese Stufen findet man in zahlreichen Mustern, z.B. in Form von Diamanten mit stufigen Rändern und vier Ecken, kombiniert manchmal mit X-Motiven (die Eckpunkte des Universums), aber auch in der Architektur wieder.

Weiter geht es zu einer Seen-Landschaft, den Lagunas Azul. Heute ist Sonntag, dazu schlechtes Wetter ohne Sonne. D.h. es ist sehr viel los, denn bei Einheimischen sind die Seen ein beliebtes Ausflugsziel. Man sieht aber leider nichts von den tollen Blautönen bzw. verschiedenen Wasserfarben, die die Seen bei Sonnenlicht entfalten sollen. So ziehen wir etwas enttäuscht wieder ab, auch wenn wir den begeisterten Berichten unseres Reiseleiters gern glauben.

Weiter geht es auf recht guten Straßen durch den Dschungel, die laut unserem Reiseleiter vor allem deshalb so gut sind, damit das Militär schnell in den Dschungel kommt, um die dort versteckten Zapatisten bekämpfen zu können. Wir rasten für ein letztes Picknick am Ufer des Río Lacantún an einem Picknick- und Badeplatz mit Tischen und Bänken und sanitären Einrichtungen (die allerdings dringend einen Klempner und eine Reinigung bräuchten). Wir verschlingen ein paar sehr leckere Sandwiches und dazu Bananen und schwatzen eifrig dabei. Neben uns der Fluss macht einen gemischten Eindruck: Einerseits ist das Wasser warm und die dort Badenden zufrieden. Andererseits sehen wir 100 Meter stromaufwärts einige Stromschnellen, die uns stirnrunzeln lassen.

Wir kommen zum Flussufer des Río Lacantún, vorher nochmal eine Militärkontrolle wegen der nahen guatemaltekischen Grenze und vielen illegalen Grenzübertritten auf dem Transit in die USA (Denn in Mexico bleiben will von diesen Flüchtlingen kaum einer.). Wir verpacken unsere Sachen in wasserdichte Tonnen, ich habe zum Glück meinen Seesack, denn es ist eine Tonne zu wenig da. Leider gibt es auch keine anderen wasserdichten Plastiksäcke, die jetzt Gold wert wären. Die Kajaks sind aus Plastik und machen einen prima Eindruck.

Ich fahre mit dem zweiten Guide Eli, den wir hier treffen und der nur Spanisch spricht. Aber im Laufe der Zeit wird die Verständigung gut klappen. Wir üben ein bisschen die Koordination, denn im Kajak gibt der hintere Mann als Steuermann die Kommandos, der Vordermann, also in diesem Falle ich, ist der „Motor“ und paddelt nach Befehl. Izquierda (links paddeln), Derecha (rechts paddeln), Adelante (volle Kraft voraus).

Um 16:30 Uhr geht es los, schon etwas spät, die Sonne steht tief. Alejandro gibt noch weitere Anweisungen in Englisch und paddelt allein voraus, zeigt den Weg und kundschaftet die Strömungslage aus. Eli und ich machen den „Lumpensammler“ am Ende. Der Fluss ist erst zahm und ruhig, dann kommen erste Stromschnellen, die eigentlich leicht aussehen, aber doch tückisch sind. Erste Boote kentern, weil die Koordination noch nicht optimal ist und die Erfahrung fehlt. Manche befolgen aber auch nicht den Rat der Guides und paddeln auf anderen Wegen und kentern in unbekannten Strömungen oder an Hindernissen. Aber es ist warm und alles trocknet schnell. Ich habe mutigerweise eine Kamera mit im Boot und kann ab und zu Bilder machen. Das lohnt sich, denn im Sonnenuntergang formiert sich ein famoser und nahezu vollständiger Doppelregenbogen über uns, der uns schwer beeindruckt. Dazu oranges Licht der untergehenden Sonne, lauwarme Luft, der plätschernde Fluss - ... noch mehr? - Doch wenig Zeit zum Schauen, denn der Fluss fordert uns!

Es wird schnell dunkel und im fast Finstern kommen wir am Camp an. Wir finden kaum die Anlegestelle, Lichter sind Mangelware, denn die Taschenlampen sind noch wasserdicht verpackt. Im Dunkeln richten wir uns ein und die Zelte auf, die Guides bereiten das Abendessen. Irgendwann sind alle in trockenen Klamotten am Tisch und freuen sich auf leckere Spaghetti Bolognese, die Alejandro zaubert. Dazu mitgebrachtes Bier und etwas Mezcal.

Wir haben sogar ein richtiges Klo im Wald, die Wege sind mit Kerzen markiert, die wir in San Cristobal de las Casas in weiser Voraussicht noch kauften. Das ist nämlich das Einzige, was wirklich sonst gefehlt hätte. So sieht der Wald richtig heimelig aus und wir gehen beruhigt früh ins Bett. Es gibt kaum Insekten, was uns angesichts der Wärme und Feuchtigkeit wundert. Meine Klamotten sind gottseidank fast alle trocken geblieben, nur eine Hose ist nass und trocknet gar nicht in diesem Klima.

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Morgennebel in San Cristóbal de las Casas
Die Hauptpyramide von Tenám Puente
Die Hauptpyramide von Tenám Puente und unser Reiseleiter
Lagunas Azul, Chiapas
Am Rio Lacantún im Sonnenuntergang
Am Rio Lacantún im Sonnenuntergang mit Regenbogen