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Mexico 2008/2009 - Tag 9

San Cristóbal de las Casas, San Juan Chamula

Überraschung am Morgen: Meine Dusche hat kein Wasser! Doch nicht so gut, der erste Gast im neuen Zimmer zu sein… Beschwerden an der Rezeption bringen keinen schnellen Erfolg. Ich sehe jedoch, dass im Nachbarzimmer die Leute morgens auszogen und dort die Reinigungsarbeit läuft. Die Zimmertür steht offen und ich probiere die Dusche. Alles läuft, prima. Ich dusche dort schnell und umgehe den Engpass in meinem Zimmer.

Frühstücken werden wir heute im Kulturzentrum von Anthropologen und Kartographen Frans Blom und seiner Frau Gertrude „Trudy“ Blom. Wir sitzen an einer langen Tafel in einem Raum voller Kunstschätze an den Wänden. Das Frühstück ist prima, auch wenn die Butter steinhart ist. Wir essen Unmengen Toast mit Butter und Marmelade, denn in dieser Menge und Qualität haben wir lange darauf verzichten müssen. Dazu Kaffee und Tee. Wir besichtigen das Gelände und eine sehr gemütliche Bibliothek, die wohl eine sehr bedeutende Sammlung von Maya-Literatur darstellt und auch oft von Fachleuten besucht wird.

Wir fahren gegen 10:00 Uhr in Richtung der Wallfahrtskirche von San Juan Chamula los. Auf dem Weg besuchen wir eine Indio-Dame, die Ende Zwanzig noch alleinstehend ist, was unter Indios ein Ding der Unmöglichkeit ist, und selbstständig sehr geschäftstüchtig alle möglichen Geschäfte betreibt. Uns Touristen verkauft sie erfolgreich und charmant Webarbeiten, die vor unseren Augen entstehen. Ein Paar unserer Gruppe wird mit einem traditionellen Hochzeitsgewand eingekleidet und fotografiert. Dazu gibt es frische selbstgemachte Tortillas und Tequila.

Wir fahren weiter und sehen schon von Weitem, dass der Busparkplatz mit Dutzenden riesigen Reisebussen angefüllt ist und entsprechend viel los ist. An der Kirche angekommen, sehen wir, dass eine wichtige Zeremonie im Gange ist. Der Ort ist von großer politischer Bedeutung, weil hier jeweils die Machtübergabe verschiedener Amtsinhaber stattfindet, wenn eine Amtsperiode endet. Die Angelegenheit wurde uns zwar erklärt, habe ich aber im Detail vergessen. Es ist jedenfalls so, dass es eine gut organisierte „Regierung“ der Indios gibt inkl. Eigener Ordnungshüter. Diese Parallelwelt wird von der offiziellen Regierung in Mexiko geduldet, weil sie um deren Bedeutung für die Indios weiß. Anscheinend ist heute eine solche oder ähnliche Zeremonie im Gange. Wir sehen viele Würdenträger, Tänzer, Heiligenbild-Träger und eben die Ordnungshüter in weißer Wolle mit schwarzen Gürteln. Pausenlos werden laute Böller in die Luft geschossen, teilweise aus der Hand heraus. Fotografieren ist streng verboten, ich mache nur ein Panoramabild von Weitem.

In der Kirche brennen Tausende Kerzen, der Boden ist mit (als heilig geltenden) Piniennadeln bedeckt und mit Betenden in kleinen Gruppen, die weitere Kerzen anzünden, beten und kleine Opfergaben bringen. Dazu wird neu-traditionell Coca-Cola getrunken.

Wir schauen uns den Trubel eine Weile an, gleichzeitig mit sehr vielen Einheimischen sind auch sehr viele Touristen unterwegs. Dann fahren wir wieder in die Stadt, denn wir müssen uns noch auf die nächsten Tage im Dschungel vorbereiten. Dazu teilen wir das Gepäck in zwei oder drei Teile, d.h. ein Teil bleibt im Bus und stößt nach dem Dschungel wieder zu uns. Ein anderer Teil in einem anderen Bus kommt früher nach dem Kajakfahren wieder und der letzte Teil kommt mit ins Kajak. Ich kombiniere zwei Teile und habe also nur eine Dschungel-Tasche (als wasserdichten Seesack) und meine Reisetasche mit dem Rest. Dies ist die richtige Taktik, wie sich herausstellen wird. Insbesondere der Seesack wird noch mit Gold aufgewogen werden…

Wir essen am Nachmittag im „Casa del Pan“ und essen so gut wie lange nicht mehr. Sehr gute Tortillas, daraus esse ich Enchiladas in Mole, mit Spinat gefüllt. Vorher gibt es Vollkornbrot und Kräuterfrischkäse. Fast paradiesische Zustände, aber es ist nicht das echte Mexico… Auf einem Tisch produziert eine Dame ohne Unterlass und mit Hingabe frische Tortillas. In jeder Tortilla drei Tropfen Herzblut.

Am Abend gehen wir ins örtliche Theater und schauen uns „Palenque Rojo“ an, eine Art Kostümoper mit leichter Handlung, sehr aufwendigen Kostümen, toller Musik mit Live-Trommlern und passend mystischer Beleuchtung und Bühnenbild. Einfach gut gemacht, auch wenn sicherlich der große Anspruch nicht erfüllt wird. Mir gefiel die Aufführung jedenfalls gut, echte Multimedia, liebevoll gemacht.

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Kulturzentrum Frans & Trudy Blom, Maya-Bibliothek
Weberin bei der Arbeit
San Juan Chamula, eine Zeremonie