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Mexico 2008/2009 - Tag 8

Reisetag Juchitán - San Cristóbal de las Casas

Das Hotel war nachts auf der Rückseite, wo mein Zimmer lag, recht ruhig. Die Vorderseite jedoch gar nicht, denn dort war die ganze Nacht sehr lautes Vogelgeschrei von den Bäumen an der Straße zu hören.

Schon 7:30 Uhr gibt es Frühstück, weil wir heute noch lange fahren müssen. Wir sitzen in einem extra Raum, keine Beleuchtung, ungemütlich. Erst gibt es kleine Brötchen und Marmelade, dann Rührei. Alles in allem ist es etwas komisch. Auswahl zwischen Tee oder Kaffee gibt es nicht, nur Kaffee.

9:00 Uhr fahren wir in Richtung San Cristóbal de las Casas los. Die Fahrt ist eintönig, denn die Straßen sind teilweise wie mit dem Lineal gezogen gerade bis zum Horizont. Viele Lastwagen sind unterwegs, teilweise mit Auflieger und an dem Auflieger nochmal ein Anhänger mit einem weiteren Auflieger. Richtige Monstren, die praktisch auch nicht rückwärts fahren könnten.

Kurz vor dem Ziel noch ein Zwischenstopp in Chiapa de Corzo, einer Touristenfalle par excellence. Es gibt dort jedoch einen tollen Brunnen in Form einer riesigen Krone zu bewundern. Wir vertreten uns die Beine auf dem Markt und trinken etwas als willkommene Abwechslung. Dann geht es weiter, teils auf mautpflichtigen Strecken wieder hoch in die Berge. Dabei hat die Autobahn eine bemerkenswerte Steigung.

Wir erreichen die Stadt gegen 15:00 Uhr, sehr enge Straßen, die nur in einer Richtung befahrbar sind und auch dann nur schwierig, beherrschen das Bild. Die Häuser klein, meist ein oder zwei Stockwerke. Unser Hotel „Jovel“ ist gut, sehr schöner Innenhof. Ich bekomme in einem Trakt unter dem Dach ein brandneues Zimmer, ich bin der erste Gast darin. Alles sehr geschmackvoll eingerichtet. Ein Waschbecken aus bemaltem und gebranntem Steingut. Ich bringe etwas Wäsche zum Hotelwaschservice, denn der ist billig und vor unseren nächsten Unternehmungen ist dies die letzte Gelegenheit dazu. Zum Hotel gehört auch eine einfachere Pension (Posada) auf der anderen Straßenseite, genau gegenüber.

Am Abend wollen wir uns alle vor der großen Kathedrale treffen. Bis dahin mache ich noch einen Stadtbummel, schlendere über den tollen Indio-Markt neben einer ebenfalls sehr imposanten Kirche namens „Santo Domingo“ und esse ein Vollkornbaguette mit Bacalhao (Kabeljau) im „Namandi“, dazu einen Apfel-Nuss-Salat mit Joghurt-Dressing, alles sehr lecker. Dazu ein halbdunkles Bier „Bohemia“ und zum Schluss einen Kaffee.

Wir treffen uns wie vereinbart und gehen zusammen zu Sergio Castro, einem Agraringenieur, der den Indios, insbesondere den Lacandon (einem langsam aussterbenden, kleinen Volk) hilft und medizinische und andere Unterstützung bietet. Sein Spezialgebiet sind Brandverletzungen, die häufig vorkommen, weil noch immer mit offenem Feuer gekocht wird. Daneben bildet er die Indios im Ackerbau aus und zeigt ihnen, wie man z.B. Mais, Kaffee und Kakao anbaut. Dinge, mit denen sie evtl. Geld verdienen könnten. Er lebt für seine Aufgabe, sein Haus ist quasi eine Ausstellung und ein Museum.

Er gibt uns eine kurze Einführung in die indigenen Völker (1 Mio. Indios, diese sprechen 7 verschiedene Sprachen, was Heiraten untereinander erschwert), zeigt uns Kostüme für verschiedene Anlässe (seine Sammlung ist wohl einmalig, weil die meisten der Kostüme eigentlich stets mit dem Eigentümer zusammen beerdigt werden) und Dias (medizinische Hilfe, Hilfe bei der Landwirtschaft) über seine Tätigkeit insgesamt. Er spricht fast alle indianischen Sprachen, dazu mindestens noch englisch und natürlich spanisch. Da in unserer Gruppe ein Arzt ist, hat dieser viel zu fragen und zu erzählen mit Sergio und hat auch jede Menge medizinische Hilfe mitgebracht, d.h. Verbandszeug, Medikamente etc.

Mitten in unserem Besuch klingelt es plötzlich und eine Familie (aus der Stadt) kommt herein mit einem Jungen, etwa 10-12. Er hat ein völlig verbranntes Bein, von einem Feuerwerkskörper. Die Wunden sind schon recht alt, er hat höllische Schmerzen, verzieht jedoch keine Miene und gibt keinen Laut von sich. Sergio und unser Arzt kümmern sich sofort um ihn und behandeln ihn fachmännisch rundum, was eine Weile dauert bei der Größe und Anzahl der Wunden.

Sergio ist sicherlich froh über die Hilfe und die frisch mitgebrachten Spenden kommen sofort zum Einsatz. Sergio muss nun täglich den Jungen besuchen und bei ihm die Verbände wechseln. Die Familie wird instruiert, was außerdem noch zu tun und zu lassen ist.

Alles in allem war es ein tolles Erlebnis, denn wir merkten, dass Sergio Castro eine wichtige Person ist, nicht nur in der Stadt, sondern im ganzen Umland. Fast gilt er wohl als lebender Heiliger, der sich selbstlos für andere einsetzt. Unter anderem baute er mittlerweile über 20 Schulen. Er bekommt von zahlreichen Organisationen im In- und Ausland Unterstützung. Leider habe ich keine weitere Kontaktinformation. Für Anfragen hilft evtl. die Agentur Tierraventura weiter.

Zum Abschluss gehen wir noch in ein kleines Restaurant in der Innenstadt, essen etwas und trinken chilenischen Rotwein (Merlot-Cabernet-Sauvignon-Verschnitt), der uns gut schmeckt. Dazu gibt es teilweise Live-Musik. Wir bleiben bis Ladenschluss, der hier relativ früh ist, ca. 22:00 Uhr. Wir sind aber auch müde.

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San Cristóbal de las Casas, Kathedrale bei Tag
San Cristóbal de las Casas, Kathedrale bei Nacht