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Mexico 2008/2009 - Tag 3

Oaxaca, Temazcal

Nach fast 11 Stunden Schlaf gibt es Frühstück im Freien im Hotel-Innenhof. Es ist sehr frisch, vielleicht ca. 10° C. Das Frühstück ist sehr gut. Weil heute Sonntag ist, gibt es Buffet (wochentags a la carte) mit scharfem Rührei, Pudding, Früchten, Kuchen, Kaffee, Milch, Saft.

Wir fahren auf der Panamericana ca. 30 km nach Tlacolula zum dortigen Markt. Dieser ist sehr vielseitig und interessant. Kurz vor Weihnachten gibt es jetzt viel Geflügel, lebend, z.B. Truthähne. Es ist alles ziemlich sauber, ordentlich, ruhig und sicher. Wir probieren verschiedene Spezialitäten, z.B. Tamarindenpaste (süß-sauer-scharf-salzig) und eine Art Fruchtsaftschorle „agua di fruta“ (Früchtewasser), sehr erfrischend, z.B. mit Limonensaft. An vielen Ständen gibt es frisch zubereiteten Obstsalat oder anderes geschältes Obst zum Mitnehmen als Snack zu winzigen Preisen. Wieso gibt es das bei uns nicht?

Es gibt auch viele frittierte Heuschrecken in großen Haufen, von Ferne aussehend wie ein Haufen rote, kleine Chilischoten. Doch direkt davor sieht man dann den Unterschied. Das ist das Einzige, was wir nicht probieren… Dafür kaufen wir Gewürze bei einer netten Händlerin mit einem tollen Tisch voller Döschen und Näpfchen, ein riesiges Angebot.

Außerdem besichtigen wir noch die Kapelle des Ortes, in der auch jetzt vor Weihnachten sehr viel Betrieb ist.

Weiter geht die Fahrt zum „ältesten Baum der Erde“, dem „Arbol del Tule“. Ob es der älteste Baum ist, bezweifle ich. Doch es soll wohl der zumindest dickste Baum der Welt sein vom Stammdurchmesser her. Der Baum ist eine Zypresse, der Stamm sieht aus, als ob er aus vielen einzelnen Stämmen zusammengewachsen ist. Der Stamm ist sehr knorrig verformt und deshalb kann man unter verschiedenen Blickwinkeln z.B. im Profil verschiedenste Formen erkennen, etwa Tiere oder Menschen. Es gibt dazu eine Führung von Schulkindern in vielen verschiedenen Sprachen (ein offizielles Projekt), die einem diese Formen zeigen. Gezeigt wird mit einem Lichtfleck eines Taschenspiegels mittels Sonnenreflexion. Sehr nett und witzig.

Zum Mittagessen fahren wir in ein Restaurant in der Nähe, dem „Caldo de Piedra“, in dem wir die gleichnamige Suppe essen, ein traditionelles, auch spirituelles Gericht. Im Prinzip ist es eine Fischsuppe oder auch eine Suppe mit Shrimps, die mittels zweier heißer Steine erhitzt wird. Dabei liegen die Steine in der Suppe. Zuerst wir die Suppe zubereitet aus Wasser, Koriander, Chili, Zwiebeln, Salz, Kräutern, Tomatenpüree und eben Shrimps und/oder Fisch. Dann kommt ein praktisch glühender mittelgroßer Stein (ein Flusskiesel) hinein und erhitzt die Suppe stark. Nach einer Weile kommt dieser Stein raus und eine anderer, frischer, weniger heißer Stein rein zum Warmhalten. Die Suppe schmeckt gut, ist undwürzig und ziemlich scharf, dazu gibt es Tortillas.

Es geht wieder zurück zum Hotel, denn unser spiritueller Tag hat mit der Suppe erst begonnen. Wir bereiten uns für einen Temazcal vor, ein indianisches Dampfbad. Dies ist hier in der Gegend recht verbreitet und wird öfters angeboten. Yves, unser Reiseleiter kennt einen netten Temazcal-Betreiber, der das gut machen soll und dort gehen wir heute hin. Die erste Hälfte der Gruppe geht gegen 16 Uhr, die andere Hälfte (und ich) gegen 18 Uhr. Davor gehe ich nochmal zu „La Mano Magica“, der Meister hat aber am heutigen Sonntag zu.

Der Temazcal ist ein Erlebnis der besonderen Art und ich empfand es als Bereicherung, obwohl ich gegenüber esoterischen Dingen eher skeptisch bin. Unser Temazcal wird von der nichtstaatlichen Organisation CECIPROC (e-Mail-Adresse) (u.a. unterstützt von der Agentur Tierraventura) betrieben, die in umliegenden Dörfern in der Sierra Norte für Ausbildung und Aufklärung der Bevölkerung sorgt, um deren Leben zu verbessern.

Der Temazcal ist eine Mischung aus etwas Esoterik und einer speziellen Sauna, manchmal verbunden mit einer Massage. Der Temazcal soll die vier Elemente, also Feuer, Wasser, Luft und Erde zusammenbringen und so entspannen und heilen. Die Sauna ist eine vollständig dunkle Höhle aus ungebrannten Lehmziegeln, die den Bauch der Mutter Erde darstellen soll. Als Vorbereitung auf den Temazcal trinken wir zuerst einen Zimt-Tee , danach werde ich vom Meister, dem Curandero des Temazcal mit Gebeten überhäuft, die er flüstert und dabei meinen Körper erst mit einem Bündel aus Kräutern abstreicht, dann mit einem Ei nochmals und danach mit einer Kerze in einem Glas. Danach nimmt er eine Flüssigkeit in den Mund (kein Wasser) und besprüht mich damit. Danach geht es mit Weihrauch weiter. Ziel ist es, alle schlechte Energie aus dem Körper zu entfernen, sodass das anschließende Dampfbad richtig wirken kann.

Danach ruht man vor der Dampfbad-Höhle unter einer Decke aus. Schließlich hinein in die Höhle zusammen mit dem Curandero, der drinnen fleißig Aufgüsse macht. Das Wasser ist praktisch ein Tee, also mit Kräutern. Erst sitzen wir in der Sauna, dann liegen wir ermattet, denn es ist sehr heiß. Plötzlich fängt der Curandero an, uns mit dem Kräuter-Wasser zu bespritzen, und zwar mit ziemlich viel Wasser. Jetzt greift sich der Curandero wieder ein großes Kräuterbündel und schlägt kräftig auf uns Schwitzenden in der Höhle ein. Und wieder Spritzen, quasi als Abkühlung. Wir sehen (vermutlich, denn es ist alles dunkel) aus wie Schinken im Kräutermantel und sind fix und fertig. Nach fast einer Stunde (die wie im Fluge verging) geht es raus aus der Höhle, draußen werden wir von Yves sofort in Decken gehüllt und auf den Boden gelegt. Jetzt heißt es Ausruhen. Wir bekommen noch einen Zimt-Tee zum Abschied, säubern uns leidlich und verabschieden uns dankbar und kaputt.

Auf dem Rückweg zum Hotel besorgen wir uns in einem Restaurant in der Nähe des „Templo de Santo Domingo de Guzmán“ riesige, leckere Club-Sandwiches (wenn die Mexikaner was können, dann sind es Sandwiches!), verspeisen die auf der Hotel-Terrasse und sinken geben 21:30 Uhr ins Bett.

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Unsere Kräuterquelle auf dem Markt
Frische Heuschrecken!
Arbol del Tule
Arbol del Tule - Löwenkopf
Unser Temazcal
Toll gestaltetes Restaurant in Oaxaca