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Marokko 2015/2016 - Tag 3

Königsstadt Fés

Wir frühstücken gegen 7:30 Uhr, es ist relativ schlecht. Die Pancakes sind mindestens 3 Tage alt und zäh wie Leder. Morgen kriegen wir sie wieder! Dagegen sind Brot, Butter und Marmelade überdurchschnittlich gut. Auch dies ist typisch: Marmelade ist in Marokko generell exquisit!

Gegen 9:00 Uhr geht es mit dem Bus los in die Innenstadt von Fés, wo wir unsere Stadtführerin treffen. Wir besichtigen zuerst die sieben Tore des Königspalastes "Dar el Makhzen". Diese sieben Tore stehen für die sieben Tage der Woche und sind aktuell in sehr gutem Zustand zu besichtigen. Sie wurden wohl vom früheren König Hassan II. installiert. Die Tore sind aus Holz und mit prachtvollen und bis auf Millimetergröße verziert mit kunstvollen Metallbeschlägen. Im Morgenlicht sehen sie besonders prachtvoll aus.

Weiter geht es erst zu Fuß durch das zum Königspalast benachbarte jüdische Viertel, welches "Mellah" heißt. Mellah ist das arabische Wort für Salz, weil die Juden früher vor allem Salz- und Goldhändler waren. Die Nähe zum Palast zeigt die traditionell guten Beziehungen zu den Herrschenden. Der Königspalast in Fés ist besonders beliebt beim König für große und wichtige Feste. Der Palast ist riesig und umfasst 82 Hektar, inkl. einem Golfplatz...

Danach geht es mit dem Bus zur südlichen Festung Borj Sud. Wir blicken über die Medina nach Norden, wo wir auch die nördliche Festung Borj Nord und auf den Stadtteil Agadir sehen. Dieser Stadtteil wurde nach einem Erdbeben in Agadir errichtet für die von dort kommenden Flüchtlinge. Seitdem heißt der Stadtteil wie deren frühere Heimatstadt.  In der Medina wurde der hindurch fließende Fluss vor etwa 5 Jahren kanalisiert und damit eine stinkende Kloake beseitigt. Jetzt ist dort eine Straße. Fés wurde als erste Medina vor etwa 800 Jahren erbaut, danach kamen Erweiterungen aus dem 14. Jahrhundert als "neue" Medina und die "La Ville Neuville", die Neustadt vor etwa 20 Jahren.

Auf dem Weg in die Stadt machen wir zuerst einen Besuch bei einer Töpferwerkstatt, wo unter anderem die weltbekannten Fliesenmosaike hergestellt werden. Wir lernen jeden Schritt der Herstellung, vom Hauen der Einzelteile über das Zusammensetzen bis zum Fixieren. Beim Zusammensetzen zeigt das Mosaik nach unten zur Unterlage(!), ist also unsichtbar. So erreicht man eine absolute Planlage aller Mosaiksteine. Aber es erfordert viel Zeit, Sorgfalt und viel Erfahrung. Die Mosaike sind auch entsprechend teuer und werden in alle Welt exportiert. Dafür werden auch extra Kisten hergestellt. Wir sehen fertige Sendungen in die USA, Kanada, Mexiko, Neuseeland. In einem Fabrikverkauf kann man andere Töpferwaren kaufen, die teilweise noch zusätzlich mit einer Metalllage aus Neusilber verziert ist. Diese wird als selbsttragendes Netz so verlötet, dass es sich nicht mehr lösen lässt. Dabei ist eine Verbindung zur Keramik nicht nötig (außer am Rand).

Danach werden wir durch die "neue" Medina geführt, sie ist sehr schön und stimmungsvoll. Heute ist Freitag und daher in diesem streng religiösen Stadtteil ganztätig Feiertag. Dagegen ist dann hier Sonntag ein normaler Arbeitstag. In weniger religiösen Vierteln haben die Leute am Freitag nur eine lange Mittagspause zum Beten und am Sonntag frei.

Weiter in der alten Medina mit schönen Läden in sehr vielen Gassen. Manche Gassen sind lediglich schulterbreit! Wir besuchen eine Koranschule, leider sehen wir nur den Innenhof und einige angrenzende Räume. Alles ist reich geschmückt und bestens restauriert.

Danach besuchen wir eine Gerberei und sehen in einem Innenhof von oben die Gerbbottiche, wo reges Treiben herrscht. Helles Leder wird großteils mit Taubenkot gegerbt, weswegen es extrem streng riecht. Nach der Besichtigung, die nicht sehr lang dauert, gibt es ein längeres Verkaufsevent, aber wir kaufen nichts. Parallel zu uns bewegt sich eine große Gruppe Chinesen durch die Stadt und belegt auch jetzt gerade das Ledergeschäft. Wir hatten uns aber von der Erklärungen zur Lederherstellung auch erheblich mehr erwartet.

Danach gehen wir Mittagessen in einem tollen Restaurant, reichhaltig geschmückt und sehr orientalisch. Vielleicht etwas sehr kitschig. Im Essensraum rosa Sofas unter Energiesparlampen, dazu ist es wieder sehr kühl.

Nach dem Essen geht es erst zur prächtigen Koranschule "Medersa Bou Inania", deren Innenhof und die angrenzenden Räume wir bewundern können. Weiter hinein, z.B. in die Studentenzimmer, deren Fenster wir sehen, kommen wir nicht. Recht zügig geht es weiter durch die Medina und nochmal zu einem Laden, diesmal für Stoffe. Wir bekommen das Weben erklärt und sollen danach wieder einkaufen. Es gibt wirklich schöne Sachen. Ich lerne, wie man einen Turban bindet und kaufe (natürlich) ein schönes Tuch dafür für viel zu viel Geld. Es soll mir aber später in der Wüste noch gute Dienste leisten!

Zum Abschluss fahren wir Richtung nördliche Festung und zum Hotel Les Mérinides, 5 Sterne und tolles Ambiente innen und außen in der Nähe. Dort auf der Terrasse mit Blick auf die Stadt trinken wir Kaffee und genießen die letzten Sonnenstrahlen.

Wir sind etwa 17:00 Uhr im Hotel und trinken noch in der Hotellobby ein Abschlussbier. In der Bar ist es dunkel und kalt, in der Lobby wenigstens nur kalt... Es ist überall sehr ungemütlich!

19:30 Uhr ist Abendessen und zwischenzeitlich sind noch mehrere deutsche Gruppen hier eingetroffen. Daher ist das Buffet öfters alle, besonders beim Dessert gibt es den ganzen Abend mächtige Engpässe. Wir bleiben noch sitzen und quatschen, bis die Kellner um uns herum die Stühle auf die Tische stellen... Gegen 22:00 Uhr sind wir im Bett.

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Die sieben Tore des Königspalastes "Dar el Makhzen"
Eines der sieben Tore des Königspalastes "Dar el Makhzen"
Details an einem  der sieben Tore des Königspalastes "Dar el Makhzen"
Blick von der südlichen Festung auf die Medina von Fés
In der Töpferwerkstatt von Fés
In der Töpferwerkstatt von Fés, Zusammensetzen eines Mosaiks
In den sehr engen Gassen der Medina von Fés
Gerbbottiche in einem Hnterhof der Medina in Fés
Unser Mittags-Restaurant von Fés, Innenansicht
Innenhof der Koranschule Medersa Bou Inania in Fés