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Jordanien 2010/2011 - Tag 8

Siq Al-Barid (Klein-Petra), Wanderung Siq Al-Barid - Petra

Meine zweite Nacht im Freien war nicht so gut wie die Erste. Zu viele Windböen bliesen um die Felskante herum, auf der ich lag. Das Wetter ändert sich schnell. Nach den letzten praktisch völlig wolkenlosen Tagen sehen wir gegen 6:00 Uhr einige wenige Federwolken am Himmel, die sich aber zu einer fast geschlossenen Wolkendecke bis gegen 8:00 Uhr formieren. Wegen des damit verbundenen Regenrisikos beschließen wir eine Änderung des Programms. Wir packen unsere Sachen zusammen, frühstücken gegen 7:00 Uhr und fahren 8:00 Uhr mit den Pickups Richtung Siq Al-Barid, auch „Klein-Petra“ genannt. Von dort aus wollen wir dann die letzte Etappe unserer Wanderung nach Petra in Angriff nehmen. Vor allem während der Besichtigung von Klein-Petra wollen wir das Wetter beobachten und dann spontan entscheiden.

Wir besichtigen erst eine große, geschlossene Zisterne in einem Felsmassiv vor dem Eingang von Klein-Petra. Hier passt eine Menge Wasser rein, welches vom Felsmassiv über gehauene Rinnen in die Zisterne geleitet wird. Von hier aus ging es weiter über teils unterirdische, teils oberirdische Kanäle zumindest nach Klein-Petra.

Anschließend begeben wir uns nach Klein-Petra, was nur etwa 100 m entfernt liegt. Es sind zu dieser frühen Stunde nur wenige außer uns unterwegs und wir können alles in Ruhe bestaunen. Zum ersten Mal sehen wir direkt aus dem Sandstein-Fels gehauene Portale und riesige Höhlen als Tempel oder Grabmäler. Die Nabatäer erschufen diese Bauten, hinterließen aber leider ansonsten kaum Informationen, sodass die heutigen Archäologen noch einige Rätsel zu knacken haben. Nur eine Höhle weist recht gut erhaltene Malereien an der Decke auf, es sind wohl die einzig original nabatäischen Malereien überhaupt.

Gegen 9:30 Uhr wandern wir aus Petra hinaus und in das Wadi Merwan hinein, mit uns nimmt eine andere deutsche sowie eine französische Gruppe denselben Weg zum Hintereingang nach Petra. Der Himmel ist weiterhin bedeckt, es ist aber nur wenig windig und mild. Ab und zu tröpfelt es und es ist ziemlich dunkel. Ein starker Kontrast zu den letzten Tagen im gleißenden Sonnenlicht. Auf dem Weg sehen wir immer spektakulärere Felsformationen, bunten Sandstein, der uns auch ohne Sonne ins Staunen bringt. So viele Farben, auch nebeneinander. Natürlich Gelbtöne, aber auch viel Rot, Violett, auch mal Giftgrün, Grau. Teilweise sieht es aus wie eine Holzmaserung, weil der Sandstein aus hauchdünnen, übereinanderliegenden Schichten besteht, wobei jede Schicht eine andere Farbschattierung aufweist. Schräg angeschnitten, bieten diese Schichten dann ein entsprechendes farbiges Streifenbild. Es werden viele Fotos gemacht, die aber am Ende die Realität nur sehr begrenzt wiedergeben können.

Wir machen eine frühe Mittagspause gegen 11:00 Uhr und verspeisen unsere Lunchpakete. Danach überqueren wir noch eine kleine Kletterstelle am Felsen, auf die uns Eid seit Tagen vorbereitet. Er möchte kein Risiko eingehen, was ja auch gut ist. Es geht alles prima und kurze Zeit später sind wir wieder auf normal begehbaren Pfaden unterwegs. Kurz darauf kommen wir an einem Teestand vorbei. Mitten in den Bergen auf einem Felsvorsprung hat ein Beduine eine kleine Kochstelle aus Felsen gebastelt. An einem Baum hängt eine Tasche mit Plastikbechern und wir wissen die Abwechslung zu schätzen. Zeit für eine Teepause ist immer, wie wir inzwischen ja gelernt haben.

Schon gegen 13:30 Uhr erreichen wir Petra und schon von weitem sehen wir zwischen den Bergen die Spitze des Felsgrabs „Ed-Deir“ und sind begeistert. Wir kommen beim Aufstieg immer näher und sehen das monumentale Bauwerk langsam vor uns immer weiter auftauchen. Während des Aufstiegs finden wir viele kleine, hauchdünne Keramikscherben mit Bemalung und Eid erklärt uns, welche davon nabatäisch sind und welche nicht. Endlich stehen wir direkt vor Ed-Deir, um uns herum ungewohnt viele Menschen. Nach Tagen in der Einöde kommt uns das doch sehr ungewohnt vor. Warum können wir hier nicht allein besichtigen?!

Wir bestaunen das Felsgrab und einige andere Ruinen bis gegen 14:00 Uhr und beginnen dann unseren Abstieg bis zum Museum. Jetzt wird uns klar, dass Ed-Deir relativ weit entfernt vom eigentlichen Petra liegt und für viele Touristen schwierig erreichbar ist. Der Aufstieg ist lang und mühsam über Felstreppen. Viele lassen sich von Eseln hinauftragen und so ist auf den Treppen jede Menge Verkehr in beide Richtungen. Da kann es schon mal vorkommen, dass man bei Fotografieren einfach von einem Esel umgerannt wird. Auf dem Weg sehen wir weitere Grabmäler und Tempel von weitem. Direkt am Wegesrand ist dagegen nur relativ wenig zu sehen außer Souvenirstände. Überall erschallt „One Dinar“ oder auch „Ein Dinar“ von den Händlern. Ob wirklich alles für einen Dinar, also etwa einen Euro erhältlich ist, sei dahingestellt. Verkauft wird alles. Von echter Kunstgewerbsarbeit bis hin zu Mehrzwiebeln aus der Wüste bis hin zu bunten Sandsteinen, die wir auf unserer Wanderung ebenso fanden.

Wir machen eine kurze Pause im Museum und gehen dann weiter Richtung Ausgang. Es geht teilweise sehr steil bergauf und auf dem Weg fängt es mäßig an zu regnen, was aber nur 5 min. dauert. Auf dem Weg besichtigen wir noch ein riesiges Grab am Wegesrand mit einer gut erhaltenen nabatäischen Inschrift über dem Eingang. Kurz darauf erreichen wir den Ausgang. Es ist sehr windig und kühl. Leider lässt uns der Bus etwas im Stich und wir warten fast 45 min. Endlich kommt er und bringt uns zu unserem Hotel „Petra Guesthouse“, direkt neben dem Haupteingang von Petra. Ein sehr schönes Hotel, neben dem Eingang die Bar „Cavebar“, die in einem echten Grabmal eingebaut ist. Das Hotel ist staatlich und deshalb durfte das Hotel auch zur Hälfte in ein Kulturdenkmal hineingebaut werden.

Wir gehen aber erst mal auf unsere Zimmer und duschen! Das ist wirklich nötig nach 3 Nächten im Zelt. Ich wasche auch noch ein paar wenige Klamotten, lade alle möglichen Akkus wieder auf und gehe zum Abendessen gegen 19:00 Uhr im Hotel. Das Essen ist wieder einmal hervorragend, die Getränke aber sehr teuer. 9 Dinar = 9 Euro für ein Glas Wein sind kein Pappenstiel. Was uns noch mehr wundert, ist das frühe Kassieren der Getränkekosten während des Essens. Das scheint üblich zu sein, denn wir erleben das in den Hotels nun immer wieder. Wenn man nach dem Kassieren noch etwas trinken will, muss noch einmal zahlen. Insgesamt hat das Personal aber wenig Lust. Ein bestelltes Büchsen-Bier wird ohne zu zögern in das vor mir stehende Weinglas eingegossen. Nach dem Essen gehen wir noch in die Cavebar, wo das Ambiente sehr gemütlich ist. Man sitzt in aus dem Stein gehauenen Sitznischen, genauso wie sie in dem Grabmal eben vorhanden waren. Wir schwatzen noch bis gegen 22:00 Uhr und gehen erschöpft ins Bett.

Insgesamt waren wir heute etwa 6:00 h inkl. Pausen unterwegs, haben dabei ca. 15 km Strecke zurückgelegt und haben ca. 900 Höhenmeter aufwärts und ca. 850 Höhenmeter abwärts bewältigt.

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Unser Zeltcamp am morgen
Im Siq Al-Barid
Im Siq Al-Barid
Im Siq Al-Barid, Wandmalereien
Im Siq Al-Barid
Im Wadi Merwan, bunte Felsen
Im Wadi Merwan, gut ausgebaute Wege
Im Wadi Merwan, bunte Felsen
Im Wadi Merwan, bunte Felsen
Im Wadi Merwan, kurz vor der Teepause
Petra in Sicht!
Ed-Deir kommt immer näher
Ed-Deir kommt immer näher
Ed-Deir, geschafft!
Ed-Deir, beeindruckend
Auf dem Weg hinunter durch Petra
Petra, roter Felsen
Unser Quartier, das Petra Guesthouse