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Jordanien 2010/2011 - Tag 2

Jerasa, Madaba, Mount Nebo, Wadi Mujid

Wir müssen früh raus, denn schon 6:30 Uhr gibt es Frühstück für uns, was mittelmäßig gut ist. 7:30 Uhr fahren wir nach Jerasa (Jerash), um dort vor dem großem Besucheransturm allein zu sein und uns in Ruhe alles anschauen zu können. In den nächsten Tagen begleitet uns ein Polizist! Eid erklärt uns, dass dies ein bis zwei Mal im Jahr der Fall ist und soll nicht mehr bedeuten, als dass Jordanien für seine Touristen sorgt und Präsenz zeigen will. Es ist ein junger Kerl, der sicherlich unsere Wanderungen verfluchen wird...

Jerasa ist eine der am besten erhaltenen römischen Städte, die es weltweit gibt und erstreckt sich über ein riesiges Gelände. Längst ist noch nicht alles ausgegraben und erforscht. Wir gehen durch „Hadrians Gate“, den Triumphbogen zu Ehren Hadrians, an der großen Pferderennbahn vorbei und kommen auf einen ovalen Marktplatz, der von Säulen umzäunt ist. Daran schließt sich wieder eine lange säulenbegrenzte Straße an, die sogar eine unterirdische Kanalisation hat. Am Wegesrand Tempelruinen. Auf der anderen Seite das moderne Jerasa als Kontrast, wobei man zwischen den modernen Häusern auch noch kleinere Ruinenreste erkennen kann.

Auf dem Rückweg zum Ausgang kommen wir an einem Museum vorbei, wo noch Mauerreste ausgestellt sind, die noch den originalen Putz samt Bemalung (braun, grün, dunkel- und hellblau) tragen. Denn die einstigen Gebäude waren reich verziert. Wenn man sich die Kombination der Größe der Gebäude mit all den Reliefs und der aufwendigen Architektur mit diesem bunten Putz vorstellt, kann man annähernd erkennen, wie schon die Stadt einmal war und wir eindrucksvoll für Bewohner und Besucher.

Wir kommen auch an einem Amphitheater vorbei, aus welchem von Weitem Dudelsackmusik zu hören ist: Ein Überbleibsel der britischen Kolonialzeit Jordaniens. Und so sehen wir ein etwas grotesk erscheinendes Schauspiel, bei dem arabisch gekleidete Musiker mit Dudelsack und Trommel dort für Geld musizieren. Im Amphitheater herrscht eine tolle Akustik und so sind wir ein dankbares Publikum. Und weil die Akustik so gut ist, testet ein Gruppenmitglied seine Mundharmonika und spielt ein lustiges Liedchen. Ohne Mikrofon hört man die Musik laut, klar und deutlich auf allen Rängen! Wir sind begeistert und die Dudelsackmusikanten sind es auch. Ein Blick zurück sagt uns, dass unsere Planung richtig war, denn jetzt wimmelt das Gelände vor Besuchern und von Ruhe ist keine Spur mehr.

Wir fahren weiter nach Madaba, wo wir in einem sehr guten, aber auch sehr touristischen Restaurant essen. Vorher tauschen wir noch Geld in einer Wechselstube und füllen unsere Gruppenkasse, aus der Eid in den nächsten Tagen die Trinkgelder zahlen wird. Das Essen ist ausgezeichnet und wir essen, als ob wir tagelang nichts bekommen hätten.

Danach besuchen wir die St. Georgskirche, die ein besonderes Bodenmosaik hat, welches eine Landkarte des sogenannten Heiligen Landes zeigen soll mit allen wichtigen Städten. Eid erläutert alles an einem Foto vor der Kirche. Denn das Mosaik selbst ist nicht so gut erkennbar. Obwohl die Sonne scheint, ist es recht kalt und windig und wir frösteln. Wir hatten es wärmer erwartet und sind fast alle nicht passend angezogen.

Wir fahren weiter zum Berg Nebo, auf dem angeblich Moses starb. Seine Überreste sucht man jedoch bis heute vergeblich. Auf dem Berg steht eine Kirche (wird gerade restauriert und ist komplett unter einem riesigen Gerüst verschwunden) und ein Museum. Die Bergkuppe haben die Franziskaner-Mönche gekauft und führen hier Forschungen durch. Deshalb ist auch das Baugerüst neuester Standard und aus Aluminium und sowohl das Museum als auch der danebenliegende Sanitärtrakt ist modern und sauber und gar nicht orientalisch. Von einem Aussichtspunkt auf dem Berg kann man alle wichtigen Orte des Heiligen Landes sehen. Nur heute nicht, weil Staub und Smog eine dichte Dunstschicht bilden. Eid erzählt uns, dass er Beduinensohn und deshalb sein Geburtsdatum unbekannt ist. Beduinen legen darauf keinen Wert. Wichtiger ist da schon die Geburt einer Ziege als die eines Menschen. Und außerdem war der Weg in die nächste Behörde für die damaligen Beduinen mehrere Tagesmärsche lang. Warum also dieser Aufwand? Weil das so üblich ist, wurde in Jordanien festgelegt, dass diese Beduinen einheitlich am 1.1. des jeweiligen Jahres Geburtstag haben. Eine Geburtsurkunde wird jedoch nicht ausgestellt. Eid studierte in Deutschland und hatte deshalb mit den deutschen Behörden viel Spaß. Einen Menschen ohne Geburtsurkunde kann es eigentlich gar nicht geben…

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Jerasa, die Hauptstraße
Jerasa, an der Hauptstraße
Jerasa, ovaler Platz, Zeustempel, Pferderennbahn und Hadrians Gate
Dudelsackspieler im Amphitheater in Jerasa
Mount Nebo, Blick über das Heilige Land
Mount Nebo, Monolith von Vincenzo Bianchi
Wadi Mujid im Abendlicht