Costa Rica und Panama 2005/2006 - Tag 16

Flug nach Panama City, Besichtigung des Panama Kanals

Wir checken aus unserem Hotel aus, es fällt uns nicht schwer. Rund um das Hotel befinden sich überall Diskos oder Kneipen, die uns die Nacht über prima unter- und wach hielten.

Wir laden das Gepäck auf die Ladefläche eines Pickup-Taxis und gehen zu Fuß zum Flughafen von Bocas del Toro, denn heute fliegen wir zur letzten Station unserer Reise, nach Panama City. Die Nebenstraßen von Bocas del Toro sind recht deprimierend. Viele verfallene Häuser, dazwischen immer wieder sehr gut erhaltene Gebäude. Hier leben die Angestellten der Hotels und Restaurants und man sieht ganz klar, welche Stellung jeder hat. Die Kanalisation ist der Straßengraben, entsprechend sind die Gerüche.

Der Flughafen ist sehr klein, es gibt eine längere Landebahn. Das Einchecken geht wunderschön schnell und unkompliziert, es ist ja auch nur ein Inlandsflug. Wir werden nach unserem Gewicht und unserem Alter gefragt und machen uns unsere Gedanken wegen der Konsequenzen dieser Daten. Vor dem Einsteigen wird das Handgepäck noch einmal gründlich von einem Beamten durchsucht, er ist dabei jedoch sehr höflich und rücksichtsvoll.

Die Flugzeuge landen und wenden sehr nah an der Wartehalle, die Spitzen der Tragflächen streifen fast die Fensterfront. Dann geht es in einer kleinen Propellermaschine (Jetstream 31) der Air Panama (die Fluglinie heißt erst seit Kurzem so und hat vorher einige Male den Namen gewechselt) nach Panama City. Ich sitze neben einer hübschen Dame, die die ganze Zeit Super Mario 3 auf einem Gameboy Advance SP spielt.

In Panama City landen wir auf einem kleinen Regionalflughafen, der früher eine Air Base der Amerikaner war, und werden von einem Bus abgeholt. Wir starten gleich zu einer Stadtrundfahrt und unter anderem zum Panama-Kanal. Bei den zweistufigen Miraflores-Schleusen auf der Pazifikseite des Kanals ist ein tolles Besucherzentrum mit Museum und Tribüne zum Beobachten der Schiffe. Wir haben das Glück, eine Containerschiff beim Durchfahren einer Schleuse zu beobachten. Es passt gerade so rein. Alle Schleusen haben ein Länge von ca. 305 m, sind ca. 33 m breit und 12,5 m tief. Die Schleusen sind immer doppelt nebeneinander ausgelegt. Gegenverkehr gibt es aber nicht. Zu einer bestimmten Tageszeit, z.B. morgens fahren die Schiffe in den Kanal, zu einer anderen Zeit kommen die Schiffe aus dem Kanal an der Schleuse an und fahren eben in der anderen Richtung. Enorm beeindruckend ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der sich die Schleusen füllen und leeren. Millionen Liter Wasser verlassen oder befüllen eine Schleuse in etwa 8 Minuten! D.h. man kann dem Schiff beim Steigen oder Sinken zuschauen. Da es hier um viel Geld geht, muss es eben auch schnell gehen. Eine Passage für so ein Containerschiff kostet um die $ 60.000 (je nach Bruttoregistertonnen), für ein Passagierschiff auch so etwa (je nach Passagieranzahl) und für kleinere Schiffe so ein paar Hundert Dollar. Es gibt eine spezielle Schiffsklasse, die gerade noch durch die Schleusen passt, sie heißt sinnigerweise „Panamax“. Viele Schiffe sind jedoch heute größer als die Panamax-Klasse, weswegen der Bau einer dritten „Fahrspur“ mit größeren Schleusenbecken geplant ist. Die Schiffe fahren zwar mit eigener Kraft durch die Schleusen, werden aber mit Hilfe mehrerer (4 oder 6) kleiner, aber starker Elektroloks auf beiden Seiten, zu denen Stahlseile gespannt sind, in der Mitte der Schleuse gehalten.

Das Museum ist sehr schön und mit viel Mühe gestaltet, man lernt jede Menge über den Bau des Kanals in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Technik damals war mit der heutigen nicht zu vergleichen und so wiegt die Leistung um so schwerer. Es gab wohl um die 25.000 Tote, darunter über 20.000 Franzosen und etwa 5.000 Amerikaner. Der Wasserspiegel des Kanals liegt einige Meter oberhalb der beiden Meeresspiegel, wofür es zwei Gründe gibt. Erstens: Je höher der Kanal, desto weniger tief muss man schachten. Zweitens: Der Gezeitenhub im Pazifik ist recht hoch, im Atlantik jedoch ziemlich gering. Jede Schleuse überwindet etwa 9 Meter, es gibt jeweils 3 Schleusen, insgesamt sind es 26 Meter Höhenunterschied. Und eigentlich ist der Panama-Kanal nur an einigen wenigen Stellen ein richtiger Kanal, an den meisten Stellen ist es nur ein See (Gatun-See) des aufgestauten Flusses Chagres. Die Aufenthaltszeit im Kanal ist etwa 24 Stunden, reine Fahrzeit sind nur 8 bis 10 Stunden, aber man muss öfters mal bei den Schleusen warten.

Danach fahren wir noch in die historische Altstadt, die an sich nicht besonders spektakulär ist. Wir haben allerdings einen tollen Blick auf die Skyline der Hochhäuser. Es ist extrem heiß und schwül. Indianer, die an der Straße bestickte Tücher etc. verkaufen, stehen auch nicht artig neben den Tischen, sondern liegen darunter, weil die Sonne auch für Indianer einfach zu stark brennt. Dann noch ein Abstecher nach Panamá Vieja, wo Panama City eigentlich erstmals gegründet wurde. Nach mehreren Überfällen und Plünderungen der Stadt durch den Piraten Henry Morgan wurde diese Siedlung aufgegeben und weiter im Landesinneren neu aufgebaut. Heute stehen von der ersten Stadt nur noch Ruinen und ein hoher Kirchturm, der sehr berühmt ist, weil er lange Zeit das höchste Gebäude Mittelamerikas war.

Wir fahren weiter ins Hotel „Best Western Las Huachas“ in der Neustadt und checken ein. Die Zimmer sind sehr groß und recht schön. Der Receptionist überschlägt sich fast vor Freundlichkeit.

Vor dem Abendessen machen wir noch einen Spaziergang in der Umgebung, essen Fastfood bei Wendy’s und kaufen in einem riesigen 24-Stunden-Supermarkt noch ein bisschen Bier. Dann gehen wir in einem italienischen Restaurant „Pomodoro“ essen, die Klimaanlage reißt die Temperatur erbarmungslos auf ca. 20°C in die Tiefe, wir frieren. Nach einer Weile geht, es, das Essen ist gut. Beim Verlassen des Restaurants bekommen wir einen Hitzeschock, denn auch nachts wird es in Panama City nicht viel kühler als 30° C. Italienische Restaurants scheinen in Panama allgemein sehr häufig zu sein, wie wir feststellen. Einheimische Küche fanden wir praktisch gar nicht. Durch die lange Anwesenheit der Amerikaner im Lande ist auch Vieles sehr amerikanisch geprägt.

Auf dem Balkon meines Zimmers tratschen wir noch beim Bier und schauen in die beleuchteten Fensters vom Hochhaus gegenüber und machen Witze über die Leute da drüben.

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Jetstream 31 der Air Panama
Miraflores-Schleuse, Schiff unten
Miraflores-Schleuse, Schiff oben!
Panama City - Panorama
Kirchen aus Indianergold
Ein Gebrauchtwagen-Schnäppchen