Costa Rica und Panama 2005/2006 - Tag 3

Wanderung bei San Gerardo de Dota

Alle haben Probleme mit dem frühen Aufstehen, die Zeitverschiebung fordert ihren Tribut. Pünktlich 7:00 Uhr geht es mit dem Bus los, ein kleines Stück talaufwärts zu einem privaten Grundstück, auf dem die Futterbäume des Quetzal stehen. Das Futter sieht aus wie Oliven, ist aber aus der Familie der Avocados, die Früchte heißen aguacatillos. Und tatsächlich sehen wir mit dem Fernglas einige dieser tollen Vögel, die etwa taubengroß sind, die Männchen metallicgrün und rot mit ganz langen Schwanzfedern, die Weibchen schwarz. Mit meiner neuen Kamera kann ich ein paar ganz gute Bilder machen, dem riesigen Zoom und dem Bildstabilisator sei dank.

Pro Person kostet die Sache $ 2 oder 1000 Colónes Eintritt beim Besitzer des Grundstücks. Auch unsere amerikanischen Freunde wuseln um die Bäume mit den Quetzals und sind wie wir ganz aufgeregt.

Zurück beim Frühstück essen wir, was das Zeug hält, natürlich gibt es wieder Gallo Pinto, daneben gebratene Bananenscheiben oder auch Pfannkuchen. Wie immer auch ganz tolles und frisches Obst. Wir sind ja in den Tropen.

Dann geht es auf eine kurze Wanderung zum Savegre-Wasserfall. Auf dem Weg dorthin sehen wir eine Forellenzucht, wo schon eine Menge großer, schwarzer Geier auf eventuelles Futter warten. Aber wir sehen auch viele interessante Pflanzen! Unser Reiseführer kann mit seinem Fachwissen (er promovierte in Costa Rica, das Thema seiner Doktorarbeit waren Epiphyten) glänzen und uns viel über den Überlebenskampf der Pflanzen im Dschungel und auch das Zusammenwirken der Pflanzen in diesem Ökosystem berichten. Das Ganze ist recht faszinierend und auch überaus schützenswert. So fungieren z.B. die auf Bäumen wachsenden Epiphyten als Wasserspeicher, die Regenwasser aufnehmen und teilweise langsam wieder abgeben, sodass am Boden wachsende Pflanzen auch nach dem Regen noch stetig mit Wasser versorgt werden. Manche Bäume wiederum haben teilweise Abwehrmechanismen gegen die Epiphyten zu bieten, z.B. der Baum "Naked Indian" hat eine rötliche, dünne, hautartige Rinde, die sich ständig schält (eben wie ein nackter Indianer mit Sonnenbrand), sodass Epiphyten nicht daran haften können. Nehmen nämlich die Epiphyten auf einem Baum überhand, kann es sein, dass der Baum umfällt oder zumindest große Äste abbrechen.

Nach einigen Klettereinlagen mit Seilen und anschließenden Rasten sehen wir nur kurz den schönen Wasserfall, machen uns dann ermangels einem geeigneten Platz zum längeren Schauen bald wieder auf den Rückweg. Unser Reiseleiter berichtet uns, dass nur wenige Gruppen bisher zu dem Wasserfall vordrangen und viele vor den Kletterstellen kapitulieren. Wir sind so stolz.

Nach der Rückkehr im Hotel lassen die meisten das kostenpflichtige Mittagsessen ausfallen, ich esse aber zusammen mit dem Reiseführer ein wenig Rote-Beete-Salat und Ananas-Kokos-Salat mit Rosinen. Extrem lecker.

Am Nachmittag noch mal ein Spaziergang durch einen Eichenwald am Hotel. Eichen gibt es oft in Costa Rica in diesen Höhenlagen, allerdings sind sie nicht sofort als Eichen erkennbar. Nur die Früchte verraten es. Es ist wegen der hohen Luftfeuchtigkeit wieder sehr grün, sehr viele Moose und Flechten, aber zum Glück kein Nebel. Gegen 16:30 Uhr sind wir zurück. Etwas zu früh, sodass wir tratschenderweise zusammensitzen, Bier trinken und Postkarten und vor allem Briefmarken kaufen. Wir ordnen und packen schon mal unsere Sachen für die morgige Abreise, essen zu Abend, sitzen am Kamin und gehen nach einer heißen Dusche in den eiskalten Zimmern früh ins Bett.

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Der Quetzal in voller Pracht
Ein Kolibri kurz vor dem Abflug von einer Zuckerwasser-Tränke
Epiphyten en masse!
Klettern auf dem Weg zum Ziel
Endlich der Wasserfall
Ein spatzgroßer Kolibri, fast schon ein Riese
Unser Pfad im Regenwald