Position: Home > Photo > Chile 2004/2005 > Tag 18

Chile 2004/2005 - Tag 18

Wasserfälle Petrohue, Allerheiligen-See "Lago todos los Santos"

9:00 Uhr geht es wieder los, wir fahren mit dem Bus abwärts, nachdem wir ausgecheckt und unsere Rechnungen bezahlt haben. Beim Auschecken wird erst eine Jacke vermisst, die sich in letzter Sekunde wieder anfindet, etwas später eine teure Sonnenbrille, die verschollen bleibt.

Wir bitten unseren Reiseleiter, wegen des guten Wetters heute morgen nicht die ganze Strecke zu fahren, sondern einen Teil des Weges laufen zu können. Er stimmt zu und instruiert den Fahrer, sodass der Bus uns später wieder aufliest. Wir wandern gemütlich und bei Sonnenschein auf dem Fahrweg nach unten, herrliche Natur um uns herum. Wir unterhalten uns sehr nett mit unserem Reiseleiter, der heute nicht mehr so wunderlich ist. So erfahren wir etwas über seine derzeitigen Aktivitäten, er baut zur Zeit einen Gasthof an der Nordflanke des Osorno auf dem Grundstück seines Großvaters. Es geht alles langsamer als gedacht, nicht nur wegen Geldnot, auch wegen der teils schwer zu bekommenden fähigen und fleißigen Arbeitskräfte für so eine abgelegene Baustelle.

Danach diskutieren wir das Tagesprogramm, eigentlich soll es an die Nordflanke des Osorno gehen, die wir teilweise umrunden sollen, um dann am Allerheiligen-See anzukommen. Die Fahrt beschreibt unser Reiseleiter aber als lang (70 km) und mühsam, sodass wir uns entscheiden, stattdessen direkt zum Allerheiligen-See zu fahren und dort am Seeufer zu wandern. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass einer der Gründe auch war, die Fahrt nicht zu machen, dass der Busfahrer seinen brandneuen Bus auf dieser schweren Fahrt nicht zerkratzen wollte. Das ist echte Kundenorientierung.

Die Entscheidung stellte sich als richtig heraus, die Fahrt zum See ist nicht sehr lang, wir stoppen noch an den Petrohue-Wasserfällen und fotografieren ein wenig. Dann am Seeufer picknicken wir erst ein bisschen und wandern dann gestärkt los. Es geht erst ein wenig landeinwärts vom See weg, immer herrliche Ausblicke auf den Osorno und auf den See. Das Wetter wechselt permanent, Sonne, Regen, Wind, Graupel im Halbstundentakt, ständiges Umziehen ist angesagt. Wir wandern die ganze Zeit über Lavafelder, die nicht aus Felsen wie am ersten Tag, sondern aus grobem Sand bestehen. Sie sind dazu herrlich bewachsen, das Grün und der dunkle Untergrund sehen wunderbar aus. Ab und zu durchqueren wir ausgetrocknete Flusstäler, in denen einmal sehr viel Wasser gewesen sein muss. Durch den dunklen Sand dampft nach einem Regen und nachfolgender Sonne die Erde, es sieht herrlich aus, fast wie bei den Geysiren. Am Ende ein Stück direkt am Strand des Sees entlang, der auch "Smaragdsee" heißt, weil er je nach Sonneneinstrahlung in sehr unterschiedlichen Farben spiegelt. Alle Blau- und Grüntöne sind vertreten, es sieht wundervoll aus und kaum in Bildern festzuhalten. Unser Reiseleiter erzählt uns, dass der See ein wichtiger Teil der Transitstrecke nach Argentinien ist, viele benutzen Boote, um erst über den See und dann mit dem Bus nach Argentinien zu reisen.

Nach 3 Stunden kommen wir wieder am Bus an und fahren zurück nach Puerto Varas. Unterwegs halten wir an einem Hof, der wegen seines guten Kuchens bekannt ist. "Kuchen" ist ein echt chilenisches Wort und wurde von den deutschen Einwanderern in den spanischen Sprachschatz übernommen. Die Mehrzahl ist also "kuchenes". Wir essen mit Genuss Himbeertorte, Mandelkuchen (eine Art Bienenstich) und Sahnetorte (mit einer Schicht Baiser zwischen der Sahne!) und trinken Kaffee. Alles himmlisch, wie auf einer Rentner-Kaffeefahrt kommen wir uns vor. Wenn nur unsere verdreckten Wanderschuhe nicht wären. Der Kuchen versöhnt uns auch etwas mit unserem Reiseleiter, der im Vergleich zu den ersten Tagen sehr freundlich ist und zugänglich.

Abends checken wir in unser Hotel ein, indem wir bereits schon einmal waren und duschen ausgiebig. Wir essen auch wieder im selben Restaurant und haben einen Tisch für alle gemeinsam reserviert.

Die Nacht ist furchtbar, das hellhörige Hotel ist voll belegt und viele andere Gäste die ganze Nacht über sehr laut. Unter anderem ist gerade eine Mädchenschulklasse hier, die sich auch gern im Gang von einem Ende zum anderen irgendwelche Dinge zuschreien.

Zum vorigen Tag Zurück zur Übersicht Zum nächsten Tag
Petrohue-Wasserfälle
Petrohue-Wasserfälle
Am Allerheiligensee
Nach dem Regen dampft der Boden!
Der Allerheiligensee - auch ohne Sonne schön