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Chile 2004/2005 - Tag 16

Nationalpark "Alerce Andino"

Gegen 4:00 Uhr morgens erreicht das Schiff den Hafen von Puerto Montt. Sofort beginnen die Arbeiten, die wir in der Kabine schon beim Ablegen hörten: Laute Schläge, Kettenrasseln, Rufe, Schritte. Wie in einem Stahlwerk. Entsprechend früh sind wir wach und können in aller Ruhe unsere Taschen und Koffer packen und zum Entladen bereitstellen. Da wir in AA-Kabinen wohnten, wird das Gepäck für uns von Bord gebracht und wir müssen nichts schleppen.

7:30 Uhr ist Frühstück, dann geht es von Bord. Das Gepäck kommt gesammelt an Land und wir holen es in der Wartehalle ab. Wie schon in Puerto Natales besteht die Bestuhlung der Wartehalle aus alten Flugzeugsitzreihen, was sehr lustig aussieht. Teilweise sind es auch Sitze aus der Business Class, die entsprechend bequem sind.

In der Wartehalle treffen wir unseren Reiseleiter Thomas Held für diese Region. Ein etwas wunderlicher Gesell, merken wir gleich. Wir fahren in einem schicken neuen Bus mit sehr viel Platz nach Puerto Varas, nicht weit von Puerto Montt entfernt und checken in ein schönes Hotel ("Hotel Colones del Sur Express") etwas oberhalb des Ortes ein. Gleich nach dem Einchecken geht es weiter zu unserer ersten Wanderung, kaum Zeit für mich, in meine Wanderschuhe zu klettern.

Wir fahren über furchtbare Straßen zum Fuße des Vulkans Calbuco. Weiter oben sollen wir uralte Alerce-Bäume sehen, die bis zu 4000(!) Jahre alt werden. Unser lieber Reiseleiter kündigt die Wanderung als technisch leicht und nicht länger als 4 Stunden an, also als etwas nicht so Anstrengendes.

Jedoch ist die Tour alles andere als leicht. Schwierige Wege voller Wurzeln und Geröll und viel, viel Schlamm. Einige Tage vorher regnete es hier sehr stark, auch eine Brücke wurde weggeschwemmt, die wir eigentlich passieren müssten. Die Brücke fehlt also, wir (nicht unser Reiseleiter) finden eine Behelfsbrücke nebenan, die aus einem quer gelegten Baumstamm besteht. Wir rasten inmitten eines Feldes aus erstarrter Lava, sehr beeindruckend, da die großen Felsen trotz des Bewuchses so aussehen, als ob sie gerade eben noch flüssig waren.

Dann weiter Richtung Wolken durch Bambusdickicht und bemooste Wälder. Alles ist dunkel, feucht und auch recht kühl, je höher wir steigen. Wir bemerken, dass wir teilweise mitten in den Wolken wandern. Wir sehen auch die Alerce-Bäume. Die in normaler Größe (10-50 cm dick) sind Hunderte Jahre alt, die dickeren Tausende Jahre. Die Wege sind teilweise mit Alerce-Holz ausgelegt, was sehr schwer bzw. gar nicht verrottet. Auch deswegen ist das Holz so begehrt und das Abholzen seit einiger Zeit verboten. Frisch ist das Holz rötlich, es bleicht aber bald aus.

Zurück zum Bus wandern wir am Schluss über eine riesige Baustelle im Wald. Hier entsteht eine riesige Lachs-Aufzucht-Anlage mit riesigen Hallen und Aufzuchtbecken darin. Als Wasser wird sicherlich das kalte und saubere Gletscherwasser von den Bergen verwendet. Die Junglachse werden nach der Aufzucht in wilde Gewässer ausgesetzt und wachsen also dann natürlich auf.

Auf dem Rückweg im Bus sehen wir die Landschaft endlich sonnig, hinwärts war alles bedeckt. Es ist im unteren Teil recht warm, wir werden permanent von riesigen Bremsen attackiert. Diese Art gibt es nur hier, es hilft kein Autan oder ähnliches. Die Stiche sind schmerzhaft, auch durch die Kleidung hindurch. Wir werden aber nicht gestochen, weil wir aufpassen und die Viecher zum Glück sehr langsam sind. Ähnlich groß und lautstark wie Hummeln sind sie dazu unüberhörbar. Sie werden vor allem durch dunkle Kleidung angelockt

Nach ca. 6 Stunden Wandern unter schwierigen Bedingungen sind wir ziemlich geschafft und sind außerdem ziemlich verschlammt. Aber die Landschaft versöhnt uns, denn es war auch sehr schön. Zurück auf der Rüttelpiste geht es zum Hotel, wo alle das erste Mal nach Tagen ausgiebig duschen. Der Wasservorrat des Schiffs war ja begrenzt, sodass dort das Duschen stets etwas kurz war. Ich nutze den Reinigungsservice des Hotels, ich habe nach der heutigen Wanderung keine saubere Hose mehr...

Danach gehen fast alle gemeinsam zu einem guten Restaurant am Seeufer mit Blick auf den Sonnenuntergang und die beiden Vulkane Osorno und Calbuco, eine Bilderbuch-Atmosphäre. Wir essen ausgezeichnet, der Kellner ist witzig und das Bier schmeckt. Wir trinken das erste Mal Bockbier, was zwar nicht so stark ist, aber trotzdem schmeckt. Gegen 23:00 Uhr ist keiner mehr wach, alle im Bett.

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Im Hafen von Puerto Montt
Am Ufer des Llanquihue-Sees in Puerto Varas
Auf dem Weg zu den Alerce-Bäumen
Auf dem Weg zu den Alerce-Bäumen
Die Berge ringsum
Auf dem Weg zu den Alerce-Bäumen
Blick zurück zum Calbuco