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Kambodscha 2012/2013 - Tag 9

Battambang und Umgebung

Frühstück gibt es wieder auf der Dachterrasse und ich esse einen tollen, fluffigen Pfannkuchen mit Honig und Obst. Andere müssen lange auf ihr Frühstück warten und mit der Zeit wird es hier oben in der aufsteigenden Sonne ziemlich warm.

8:00 Uhr fahren wir mit dem Bus nur ein kleines Stück zu einem kleinen „Bahnhof“ des „Bamboo Trains“. Dort warten auf uns auf einem wahnsinnig krummen Bahngleis einige „Draisinen“, d.h. ein loses Konstrukt aus zwei Achsen, einem darüberliegenden Lattenrost mit Bastmatte und einem verschiebbar gelagerten 6 PS-Honda-Motor. Dieser Motor treibt über einen Keilriemen die hintere Achse an. Auf eine Plattform kommen vier Touristen (oder auch ca. 16 Einheimische) plus Chauffeur. Der Fahrer startet, indem er den Motor mit einem Knüppel derartig horizontal verschiebt, dass der Keilriemen gespannt wird und rutschkupplungsmäßig langsam die Plattform in Schwung bringt. Nicht zu schnell geht es dann voran durch Reisfelder und kleine Ansiedlungen. Überall sehr freundliche Leute an der Strecke, die uns winken und auch freundliche Leute, die uns winken, aber auf einer entgegenkommenden Draisine sitzen! Was nun? Ganz einfach! Die entgegenkommende Plattform wird geräumt (weil wir mit 4 Draisinen in der Überzahl sind) und in Windeseile demontiert: Motor weg, Lattenrost weg, Achsen von den Gleisen heben, fertig. Danach wird alles wieder in umgekehrter Reihenfolge auf die Gleise gesetzt. Schon geht es weiter.

Unser Ziel ist ein kleines Dorf mit Verkaufsständen und einer eigenen Ziegelei. Wir besichtigen ein bisschen und sehen einem Hahnenkampf zu, der unter dem Dach stattfindet, wo die Ziegel trocknen. Wir sehen die Öfen, die mit Reisspreu befeuert werden und die einfache Ziegelmaschinerie. Neben der Ziegelei verkauft eine Frau sehr schöne Stoffe, die wir interessiert bestaunen. Es ist meist ein Baumwoll-Seide-Mischgewebe und hat sehr schöne Farben und Muster. Die Verkäuferin ist eine wahre Meisterin des Verkaufs. Sie jammert, wie schlecht es ihr geht und dass sie kein Essen für ihre Kinder hat. Alles in sehr gebrochenen Englisch, aber sofort verständlich. Sie übertreibt maßlos und weiß das auch. Immer wieder muss sie lachen in ihrer lauten Jammer- und Feilsch-Orgie. Wir kaufen ihr mehrere Stoffe ab und sie macht am Ende ein gutes Geschäft. Ein Stück, ca. 2x1 m kostet um die 10 USD.

Wieder zurück zur Draisine. Ein Kind schenkt mir, ohne Gegenleistung zu fordern, eine aus Schilf geflochtene Heuschrecke und einen geflochtenen Stern. (Beides schafft es heil nach Deutschland!)

Mit dem Bus geht es weiter zum Tempel Phnom Sampov. Wir steigen einen Hügel hinauf mit mehreren Tempeln und Buddhafiguren. Überall stehen weiße Tafeln, worauf mit blauer Schrift Spendernamen aufgezählt werden. Wir haben von oben einen schönen Blick auf das umliegende Flachland und sind ziemlich verschwitzt. Heute ist es wieder recht heiß und jede körperliche Anstrengung ist sehr schweißtreibend.

Auf halbe Höhe wieder nach unten, dann noch etwas weiter zur sogenannten „Killing Cave“. Es ist ein natürliches Höhlensystem und heutiger Pilgerort mit einer großen Buddhafigur im Inneren. Hierher haben die Roten Khmer Zehntausende hingetrieben, getötet oder nur betäubt und dann in ein sehr tiefes Höhlenloch gestürzt.

Wir laufen den Hügel wieder ganz herunter zum Bus und fahren weiter zum Mittagessen ins Restaurant „Banan“ mitten in der Stadt. Das Essen ist hervorragend, fast das Beste, was wir bisher überhaupt hier aßen. Vor allem ein Curry mit einer Cashew-Nuss-Soße ist einsame Spitze.

Danach geht es mit dem Bus zum Tempel Wat Banan. Es ist eine Ruine, wieder auf einem Berg, den es zu besteigen gilt.Es führt eine sehr steile Treppe nach oben, die etwas an die mexikanischen Pyramiden erinnert. Hohe Stufen und eine starke Neigung. Oben angekommen erwartet uns eine große, teils auch gut erhaltene Ruine in Fünfer-Anordnung. Unsere Guides sind etwas verwirrt, ob es nun buddhistisch oder hinduistisch ist, weil sich die Darstellungen an Reliefs etc. stark vermischen. Aber so ist das eben in Kambodscha. In der Mitte ist wie immer ein Altar zum Beten und Spenden. Wir fotografieren und ruhen etwas aus, bevor wir wieder vorsichtig nach unten balancieren.

Gegen 15:30 Uhr sind wir wieder zurück in der Stadt, noch Zeit für den Markt oder zum Kaffeetrinken. Weil meine deutsche SIM-Card im Handy Aussetzer zeigt, kaufe ich für wenig Geld eine lokale Prepaidcard von Mobilcom. Sie kostet 5 USD und man hat ein Guthaben von 2,80 USD. Dafür kostet eine SMS auch nur 0,10 USD und auch eine Minute Gesprächszeit (inkl. Ausland!!!) kostet nur soviel. Im Vergleich zu den Roaming-Kosten (Geprächsminute je nach Anbieter zwischen 3 und 6 Euro!) ist das ein Witz und lohnt sich.

Abends sind wir (zu unserer Überraschung) nochmal im Restaurant „Banan“! Und es schmeckt uns wieder hervorragend und es ist auch überhaupt nicht langweilig, immer dasselbe zu essen.

Danach zurück zum Hotel, wo wir aber die Dachterrasse auslassen. Stattdessen gehen wir in eine Bar direkt gegenüber, die zufälligerweise seit 6 Wochen in deutscher Hand ist. Ein Reiseleiter von Djoser Reisen, Knut, hat die Bar spontan übernommen und versucht sein unternehmerisches Glück in Kambodscha. Er ist mit einer Einheimischen verheiratet und so geht es etwa einfacher. Wir schwatzen ein wenig und gehen gegen 22:30 Uhr ins Bett. Wir müssen auch noch etwas packen für morgen und das Gepäck für einen weiteren „Homestay“ aufteilen.

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Übersichtskarte
Am Bahnhof des Bamboo Train
Auf Schienen durch die Reisfelder
Gegenverkehr!
Montage der Draisine
Liegender Buddha mit Spendernamen in blau-weiß
Phnom Sampov
Phnom Sampov, beim Mönch in Klausur
Blick von Phnom Sampov nach unten
Phnom Sampov, Killing Cave, hier herunter stürzten die Menschen
Phnom Sampov, Killing Cave, Gedenkstätte
Wat Banan, Auf steilen Stufen nach oben
Wat Banan, oben
Wat Banan, unser Guide Sin ruht im Schatten aus